Die Volleyballerin war glücklich in Potsdam, doch dann zog das Leben einen rosaroten Strich nach Ludwigsburg – und zu den Binder Blaubären des TSV Flacht
Jürgen Kemmner | Leonberge Kreiszeitung vom 28.11.2025
Die Kernaussage mag gewöhnungsbedürftig sein, er drückte aber vor 50 Jahren den Willen einer Frau nach Selbstbestimmung aus und ist so gesehen noch immer zeitgemäß. Roxana Vogel kennt weder den Namen Trude Herr noch diesen Retro-Hit, sie ist im Jahr 2000 geboren – und ganz abgesehen davon: Sie hat einen Partner.
„Seinetwegen bin ich von Potsdam nach Ludwigsburg gezogen“, erzählt die gebürtige Erfurterin. Und damit beginnt die Geschichte der Volleyballspielerin Roxana Vogel bei den Blaubären des TSV Flacht. „Ich hatte gar nicht auf dem Schirm“, berichtet die 25-Jährige, „dass sich Flacht um den Aufstieg in die Bundesliga beworben hat, als ich damals dort angefragt hatte, ob ich beim TSV einsteigen könnte.“
Im Heckengäu war die junge Frau höchst willkommen, eine versierte Zuspielerin ist im Volleyball so begehrt wie im Fußball ein Stürmer mit Torgarantie – und so waren sich die Blaubären-Bosse mit Sportdirektor Jan Lindenmair und Cheftrainer Manuel Hartmann schnell einig, die Zugeflogene in der Bärenhöhle in Weissach aufzunehmen. Roxana Vogel hatte in ihrer sportlichen Vita ja auch etwas vorzuweisen.
Nachdem sie sich in Mädchentagen durch die Sportarten Turnen, Fußball und Reiten gekämpft hatte, landete sie beim Volleyball, und weil in ihr Talent und Fleiß schlummerten, besuchte sie ab Klasse fünf das Erfurter Sport-Gymnasium. Roxana Vogel nahm an Sichtungsturnieren teil, hörte bei den Lehrgängen der U-16-Nationalmannschaft aufmerksam zu – schließlich „wollte ich zum Stützpunkt nach Berlin“, erzählt sie, „jedoch war nur noch in Potsdam ein Platz frei.“
Als 17 Jahre alter Teenager landete sie beim SC Potsdam, was nicht als schlechteste Adresse im Frauen-Volleyball zählt. Sie trainierte mit den Bundesliga-Profis, erkannte in Zuspielerin Denise Imoudu (Karriereende 2022) ihr erstes großes Vorbild und durfte sogar ein wenig Bundesliga-Luft inhalieren. „Ich war eine halbe Saison mit dabei“, erzählt Roxana Vogel, die Roxy genannt wird, „und habe insgesamt vielleicht ein paar Minuten auf dem Spielfeld gestanden.“
2019 wechselte die Zuspielerin zum Berlin Brandenburger Sportclub (BBSC), mit dem sie in der Zweiten Liga Nord sowie der Zweiten Liga Pro durch die Republik zu Ligaspielen tourte. Roxy Vogel wäre im Dunstkreis der Hauptstadt geblieben („Ich war dort acht Jahre, es war meine zweite Heimat“), hätte ihr nicht die Liebe zu einem Ludwigsburger einen sanften, rosaroten Strich durch die Lebensrechnung gemacht. „Ich konnte woanders leichter einen Job als Radiologie-Technologin finden als er in seinem Beruf“, erzählt sie, „also bin ich gekommen.“ Und sie wurde ein Blaubär.
Dass das Spiel gegen ihren Ex-Club aus Potsdam nicht stattfindet, der Verein zog sich im September wegen Insolvenz aus der Bundesliga zurück, schmerzt den Flachter Neuzugang. „Ich hoffte, beim Spiel in Potsdam viele alte Freunde zu treffen“, sagt sie vor der Partie der Blaubären am Samstag (19.30 Uhr) in der Heckengäusporthalle gegen Topclub SSC Palmberg Schwerin.
Längst ist Roxy Vogel im Schwabenland angekommen, musste aber feststellen, dass der Slogan „Wir können alles – außer Hochdeutsch“ überzogen ist. Im Südwesten gibt es kein Viba Nougat in den Regalen, eine süße Creme, die aus Schmalkalden in Thüringen stammt. „Ich bin damit in Erfurt praktisch aufgewachsen und liebe es seitdem sehr“, erzählt die Volleyballerin, „aktuell sind meine Vorräte aufgebraucht.“ So muss sie sich die leckere Masse von ihrer Mutter herschaffen lassen, wenn diese ein Spiel in Weissach besucht. Dann ist die Welt der Roxy Vogel in der Balance – sie hat Schokolade und einen Mann. Nix vintage, sondern 2025.

