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Blaubären gegen den Hamburg-Heimfluch

In der Volleyball-Bundesliga streben die Binder Blaubären TSV Flacht ihren dritten Saisonsieg an. Für Hanne Binkau hat das Spiel eine ganz besondere Note.

Stuttgarter Zeitung | 20.02.26 | Henning Maak

Weissach-FlachtEs ist eine Statistik, die ein wenig Stirnrunzeln hervorruft: Fünfmal standen sich die Flachter Blaubären und der ETV Hamburg in den vergangenen drei Jahren in den gemeinsamen Spielzeiten in der zweiten Liga Pro und in der Bundesliga gegenüber – in allen fünf Aufeinandertreffen siegte die Auswärtsmannschaft. Zuletzt setzten sich die Blaubären im Dezember vergangenen Jahres in Hamburg nach 100 Minuten mit 3:1 durch – es war der erste Saisonsieg in der Bundesliga. An diesem Samstag (19.30 Uhr) erwartet die Mannschaft von Trainer Manuel Hartmann die Hanseatinnen, die derzeit mit nur einem Saisonsieg am Tabellenende stehen, zum Rückspiel in der Heckengäusporthalle für das Außenangreiferin Hanne Binkau ein klares Motto ausgibt: „Wir wollen diesen Heimfluch brechen.“

Die 27-Jährige nimmt in diesem Duell eine besondere Rolle ein – sie hat bereits das Trikot von beiden Mannschaften getragen. Vier Jahre lang spielte die gebürtige Berlinerin für den ETV Hamburg, ehe sie 2024 nach Flacht wechselte. Funfact am Rande: Nach dem Gastspiel der Blaubären in Hamburg (3:2) im Jahr 2023 fragte sie den damaligen Coach Nico Reinecke ganz unverblümt, ob sie in der kommenden Saison für Flacht spielen könne. „Ich hatte damals mein Studium abgeschlossen und wollte beruflich in den Großraum Stuttgart wechseln“, erklärt die Elektroingenieurin schmunzelnd.

Mit den Menschen im Süden und ihren Mitspielerinnen kam das Nordlicht von Anfang an gut klar. „Das Schwäbische war der einzige kleine Kulturschock“, sagt sie. Zum Volleyball kam Hanne Binkau über ihre Mutter, die in einer Freizeitmannschaft spielte. „Sie hat mich immer in die Halle mitgenommen, und ich wollte dann immer alles ausprobieren“, erinnert sie sich noch gut.

2007 begann Hanne Binkau ihre Karriere beim VC Preußen Berlin. Über das Bundesstützpunktteam des VC Olympia Berlin kam sie zur SG Rotation Prenzlauer Berg, wo sie 2015 die deutsche U18-Meisterschaft feiern konnte und stets mit der Trikotnummer zwölf auflief.

Studienbedingt wechselte sie dann nach Hamburg, wo sie in der dritten und zweiten Liga spielte, unter anderem beim Nachfolgeverein des Ex-Bundesligisten Aurubis Hamburg – mit der Trikotnummer zehn, weil die zwölf schon vergeben war. In Flacht hat sie nunmehr die Acht. „Zwölf und zehn waren beide schon weg“, erzählt Hanne Binkau lachend. „Ich hoffe, ich spiele nicht irgendwann mal mit der Null.“

Im Fokus dürfte die Außenangreiferin am Samstag auch deshalb stehen, weil sie in den sechs Spielen dieses Jahr dreimal zur wertvollsten Spielerin gewählt wurde. „Die Wahl hat gepasst, sie war in den drei Partien stets eine der besten“, findet Blaubären-Trainer Manuel Hartmann. In seinen Augen ist die 27-Jährige die beste Annahmespielerin des Teams. „Sie liefert jetzt stabil gute Leistungen ab“, lobt Hartmann, der Hanne Binkau als eine „Ankerspielerin“ bezeichnet. „Sie strahlt Erfahrung aus, hilft und korrigiert ihre Mitspielerinnen. An ihr können sich andere aufrichten“, charakterisiert sie ihr Coach.

Die Außenangreiferin selbst sieht noch einen anderen Grund für ihre Leistungssteigerung: „Mir hat die einwöchige Pause über Weihnachten sehr gut getan, da konnte sich mein Körper etwas erholen“, erklärt sie. Nach ihrer Ansicht wird am Samstagabend die mentale Einstellung über Sieg oder Niederlage entscheiden. „Die bisherigen Duelle mit ETV Hamburg waren immer eng, die Spiele hätten auf beide Seiten kippen können“, findet sie rückblickend. Ähnlich sieht dies Trainer Hartmann: „Hamburg ist auf jeden Fall ein Team in Reichweite, viel wird von der Tagesform und auch ein bisschen vom Faktor Glück abhängen“, prognostiziert er.

Optimistisch stimmt ihn, dass die Formkurve der Blaubären in den vergangenen Wochen – mit Ausnahme der Partie in Suhl – deutlich nach oben geht. Auch Hanne Binkau ist mit dem Verlauf der Premierensaison überaus zufrieden: „Wir haben gezeigt, dass wir eine gute Entwicklung genommen haben“, sagt sie. Siege gegen Hamburg und den anderen Mitaufsteiger Skurios Volley Borken im letzten Heimspiel wären die „Kirsche auf der Torte“. Am Samstagabend gelte gegen den Hamburger Heimfluch daher: „Wir wollen zeigen, dass die Halle uns gehört!“


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Der Blaubären-Coach hadert: 28 Fehler sind zu viele

Volleyball-Bundesligist Binder Blaubären TSV Flacht unterliegt beim SCC Palmberg Schwerin mit 0:3 – Trainer Manuel Hartmann sieht Negatives wie Positives.

Jürgen Kemmner | Leonberger Kreiszeitung vom 16.02.2026

Schwerin/LeonbergFür Manuel Hartmann war die Reise nach Schwerin ein Kurztrip in die Vergangenheit – zwischen 2016 und 2018 war der heute 39-Jährige Co-Trainer des SSC Palmberg Schwerin. Sein damaliger Chef Felix Koslowski ist noch immer beim norddeutschen Club in Amt und Würden, und er feierte den erwartet souveränen 3:0(25:12, 25:12, 25:19)-Erfolg über die Binder Blaubären TSV Flacht.

„Es war von Beginn an klar, dass Schwerin diese Partie dominant gestalten und unbedingt souverän gewinnen will“, sagte Manuel Hartmann, „das hat uns mental schon überrascht.“ Soll heißen: Koslowski hatte seine erste Sechs aufs Feld geschickt und seine Stammkräfte bis Ende des ersten Satzes durchgängig dort belassen.

Keine Experimente gegen einen Aufsteiger hieß das SSC-Motto. Denn am 24. Januar hatte Schwerin zwei Sätze an die Skurios Volleys Borken abgegeben, das sollte sich gegen den TSV Flacht vor eigenem Publikum keinesfalls wiederholen. So war’s keine Überraschung, dass das Team aus der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern die ersten beiden Durchgänge wie ein Waschmaschinen-Schnellprogramm in 38 Minuten abgespult und die Blaubären ordentlich durchgeschleudert hatte. „Wenn die erste Sechs des SSC in guter Verfassung antritt“, sagte der TSV-Cheftrainer, „sind wir auf verlorenem Posten.“ Dazu gesellten sich viele Fehler bei den Flachter Frauen – 28 unerzwungene Patzer standen lediglich zwölf des SSC gegenüber. „Das waren viel zu viele“, kritisierte Hartmann, „das sind mehr Punkte als für einen Satz nötig sind.“

Gegen die Aufschläge von Ex-Junioren-Nationalspielerin Mia Kirchhoff (21), die die Bälle mit einem harten Topspin übers Netz hämmerte, fand der TSV Flacht kein Mittel – im zweiten Satz sammelte Kirchhoff für den SSC Schwerin zehn Punkte in Folge und bald war auch dieser Durchgang mit 25:12 an die Gastgeber gegangen. Erst im dritten Satz schaltete Schwerin einen Gang zurück, SSC-Trainer Koslowski gab seiner zweiten Garde Einsatzzeit – seinerseits hatte Hartmann schon gegen Ende des zweiten Satzes begonnen durchzuwechseln. „Dann hat sich ein Spiel entwickelt, es war einigermaßen ausgeglichen“, meinte der Blaubären-Coach. 

Dabei trumpfte Sara Marjanovic ordentlich auf, die in den Partien zuvor nur wenig Spielzeit erhalten hatte – mit neun Angriffspunkten war die 25 Jahre alte Außenangreiferin die erfolgreichste Spielerin der Blaubären von Hanne Binkau (3) und Frauke Neuhaus (2). Folgerichtig wurde Sara Marjanovic zur wertvollsten Spielerin des TSV Flacht gewählt. „Sie hat sich sehr gut präsentiert“, unterstrich Manuel Hartmann, „ihr beherzter Auftritt hat auch dem Rest der Mannschaft Sicherheit gegeben.“

Die Blaubären legten im dritten Satz die Nervosität ab, spielten lockerer und hätten fast die 20-Punkte-Hürde übersprungen. So fand Hartmann eine positive Erkenntnis aus dem 0:3. „Wir haben gesehen“, sagte der Cheftrainer, „dass wir genug Breite im Kader haben – alle Spielerinnen waren bereit auf dem Feld.“ Eine gute Botschaft, wenn nun die Gegner vor der Tür stehen, gegen die sich die Blaubären punktemäßig etwas ausrechnen: der ETV Hamburg nächsten Samstag (19.30 Uhr), die Auswärtspartie bei den Ladies in Black Aachen am 1. März und Borken am 7. März in der Heckengäusporthalle.


Binder Blaubären TSV Flacht: Blaubären schlagen sich wacker beim Rekordmeister

770 Kilometer von zuhause entfernt und ein übermächtiger Gegner vor der Brust: eine Aufgabe, die für die Binder Blaubären TSV Flacht nicht realistisch machbar war. Doch trotz aller Widrigkeiten verkaufte sich der Bundesliga-Neuling gegen das Erstliga-Urgestein SSC Palmberg Schwerin teuer.

Weite Anreise und eine Rückkehr
Bereits am Donnerstagabend war der Mannschaftstross der Blaubären vom Vereinsheim in der Kelterstraße aufgebrochen und hatte sich auf die längste Auswärtsreise der Saison in der ersten Volleyball-Bundesliga gemacht. Noch weiter als die Auswärtsfahrten zum ETV Hamburg, wo die Blaubären bislang in drei Einsätzen drei Siege feierten, und beinahe so weit wie die Reise zu den Stralsunder Wildcats in der Debütsaison in der zweiten Bundesliga Pro. Mit dem vollständigen Kader, der anders als die gegnerischen Profis einen Urlaubstag für die lange Anreise opfern musste, kehrte Manuel Hartmann an seine alte Wirkungsstätte zurück. Der Blaubären-Chefcoach assistierte beim SSC Palmberg Schwerin von 2016 bis 2018 dem Cheftrainer Felix Koslowski, der bis heute in der Ostseestadt amtiert. Auch wenn es gegen den alten Lehrmeister nichts zu holen gab, stellte Hartmann den Anspruch eines guten Auftritts an seine Schützlinge.

Gegen einen übermächtigen Gegner stark verkauft
In der gut besetzten Palmberg-Arena in Schwerin war der Gast natürlicherweise der eindeutige Außenseiter, der Champions-League-Teilnehmer aus der mecklenburgischen Landeshauptstadt hatte bereits im Hinspiel das qualitative und monetäre Gefälle zwischen den beiden Vereinen. Gegen Schwerins erste Sechs, die große Teile des Spiels auf dem Feld verbrachte, waren die Blaubären machtlos. Dennoch stemmte sich der krasse Außenseiter nach besten Kräften dem Rekordmeister entgegen und kämpfte sich gemeinschaftlich zu Punkten. Manuel Hartmann brachte beinahe seinen gesamten Kader zu Spielzeit. Am Schluss holten die Schwarz-Blauen ganze zwölf Punkte und sorgten bei den heimischen Anhängern für überraschte Blicke.

Wieder lässt sich der TSV Flacht nicht unterkriegen
Im zweiten Durchgang war das Bild ein sehr ähnliches, die Profis des SSC stellten die nebenberuflichen Spielerinnen des TSV Flacht vor große Herausforderungen. Doch auch von noch so hohen Rückschlägen ließ sich das Team nicht entmutigen. Punkt für Punkt arbeitete sich das Team um Kapitänin und Ex-Schwerinerin Frauke Neuhaus in den Satz und wehrte sich nach Kräften. Das größte Kuriosum gelang Libera Leonie Büdenbender, die in der Vorwoche noch zur MVP gekürt worden war: ein abgewehrter Ball von Flachts Nummer 10 segelte über alle Schweriner Köpfe hinweg und landete im Feld, Punkt für den TSV. Es sollte nicht der letzte bleiben, erneut trotzten die mutigen Gäste dem bedeutend stärkeren Gegner zwölf Zähler ab.

Erneute Steigerung im letzten Durchgang
Dass Satz drei der letzte für den Flachter TSV werden würde, war schon vor dem Spiel allen Beteiligten klar. Doch kampflos ergeben wollte sich auf Seiten der Blaubären niemand. Weder die Spielerinnen noch die angereisten Fans steckten angesichts der gewissen Niederlage auf, Flacht zeigte erneut, wofür der Verein steht: unbändige Leidenschaft und die absolute Weigerung, sich vorzeitig aufzugeben. So kamen die Blaubären bis auf 9:13 an den amtierenden Meister heran und stellte am Ende sogar auf 19 Punkte. Mit einem Sieg hatte niemand gerechnet, doch die Ausbeute kann sich angesichts der gewaltigen Kluft zwischen den Teams durchaus sehen lassen.

Sara Marjanovic wird für starke Leistung belohnt
Zur MVP wurde zum zweiten Mal nach dem Gastspiel bei Allianz MTV Stuttgart Flachts Außenannahme Sara Marjanovic gekürt. Mit neun Punkten war sie die erfolgreichste Sammlerin auf Seiten des TSV und verdiente sich nach ihrer Einwechslung im ersten Durchgang zwei Sätze in der Starting Six. Mannschaftsübergreifend sammelte nur Schwerins MVP Leana Grozer mehr Zähler (13). Alle Punkte erzielte die 25-Jährige nach direkten Angriffen und glänzte mit einer starken Quote von 50 %, jeder zweite Angriff führte also zu einem Punkt.

Erneut große Bewunderung für den ganz besonderen Verein
Von allen Seiten war die Rückmeldung einhellig, Fans und Verantwortliche der Gastgeber waren sich einig: der Aufsteiger hatte einen starken Eindruck hinterlassen. Der Kampfgeist der Spielerinnen auf und der leidenschaftliche Support der Fans abseits des Feldes imponierten die Anwesenden stark. Damit zieht sich ein roter Faden durch die Saison des TSV Flacht: der Bundesliga-Neuling sorgt bundesweit für Bewunderung. Schon beim Auswärtsspiel in Wiesbaden Anfang November wurden die Blaubären beklatscht. Von den Anhängern des VfB Suhl, die eine Freundschaft zu denen des TSV pflegen, gab es gar Sprechchöre für die Mannschaft aus dem Heckengäu. Obwohl die Blaubären wohl der größte Außenseiter der Bundesligageschichte sind, maximieren die Spielerinnen regelmäßig ihre Möglichkeiten und präsentieren sich mental mehr als bereit für das deutsche Oberhaus, welches für nahezu alle Spielerinnen absolutes Neuland darstellt.

Nächstes Spiel: Hamburg zu Gast
Am kommenden Wochenende öffnet erneut die Weissacher Bärenhöhle ihre Pforten. Mit dem ETV Hamburg ist der Verein zu Gast, dem Flacht seinen ersten Sieg in der Beletage abrang. Ein Ergebnis, das sich gern wiederholen darf.

Text: FN | Binder Blaubären TSV Flacht
Foto: Michael Dittmer