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Den Blaubären zugeflogen: Roxana Vogel

Die Volleyballerin war glücklich in Potsdam, doch dann zog das Leben einen rosaroten Strich nach Ludwigsburg – und zu den Binder Blaubären des TSV Flacht

Jürgen Kemmner | Leonberge Kreiszeitung vom 28.11.2025

Weissach-Flacht: Vintage. Die Stilrichtung, die Altes und Klassisches in Mode und Design aus den 1950er und 60er Jahren ins Zentrum der Moderne des 21. Jahrhunderts rückt, ist recht angesagt. Vintage (oder Retro) spielt ebenso in der Musik eine Rolle – der Schlager von Trude Herr anno 1965 passt bestens in eine Vintage-Playlist auf Spotify: „Ich will keine Schokolade – ich will lieber einen Mann.“

Die Kernaussage mag gewöhnungsbedürftig sein, er drückte aber vor 50 Jahren den Willen einer Frau nach Selbstbestimmung aus und ist so gesehen noch immer zeitgemäß. Roxana Vogel kennt weder den Namen Trude Herr noch diesen Retro-Hit, sie ist im Jahr 2000 geboren – und ganz abgesehen davon: Sie hat einen Partner.

„Seinetwegen bin ich von Potsdam nach Ludwigsburg gezogen“, erzählt die gebürtige Erfurterin. Und damit beginnt die Geschichte der Volleyballspielerin Roxana Vogel bei den Blaubären des TSV Flacht. „Ich hatte gar nicht auf dem Schirm“, berichtet die 25-Jährige, „dass sich Flacht um den Aufstieg in die Bundesliga beworben hat, als ich damals dort angefragt hatte, ob ich beim TSV einsteigen könnte.“

Im Heckengäu war die junge Frau höchst willkommen, eine versierte Zuspielerin ist im Volleyball so begehrt wie im Fußball ein Stürmer mit Torgarantie – und so waren sich die Blaubären-Bosse mit Sportdirektor Jan Lindenmair und Cheftrainer Manuel Hartmann schnell einig, die Zugeflogene in der Bärenhöhle in Weissach aufzunehmen. Roxana Vogel hatte in ihrer sportlichen Vita ja auch etwas vorzuweisen.

Nachdem sie sich in Mädchentagen durch die Sportarten Turnen, Fußball und Reiten gekämpft hatte, landete sie beim Volleyball, und weil in ihr Talent und Fleiß schlummerten, besuchte sie ab Klasse fünf das Erfurter Sport-Gymnasium. Roxana Vogel nahm an Sichtungsturnieren teil, hörte bei den Lehrgängen der U-16-Nationalmannschaft aufmerksam zu – schließlich „wollte ich zum Stützpunkt nach Berlin“, erzählt sie, „jedoch war nur noch in Potsdam ein Platz frei.“

Als 17 Jahre alter Teenager landete sie beim SC Potsdam, was nicht als schlechteste Adresse im Frauen-Volleyball zählt. Sie trainierte mit den Bundesliga-Profis, erkannte in Zuspielerin Denise Imoudu (Karriereende 2022) ihr erstes großes Vorbild und durfte sogar ein wenig Bundesliga-Luft inhalieren. „Ich war eine halbe Saison mit dabei“, erzählt Roxana Vogel, die Roxy genannt wird, „und habe insgesamt vielleicht ein paar Minuten auf dem Spielfeld gestanden.“

2019 wechselte die Zuspielerin zum Berlin Brandenburger Sportclub (BBSC), mit dem sie in der Zweiten Liga Nord sowie der Zweiten Liga Pro durch die Republik zu Ligaspielen tourte. Roxy Vogel wäre im Dunstkreis der Hauptstadt geblieben („Ich war dort acht Jahre, es war meine zweite Heimat“), hätte ihr nicht die Liebe zu einem Ludwigsburger einen sanften, rosaroten Strich durch die Lebensrechnung gemacht. „Ich konnte woanders leichter einen Job als Radiologie-Technologin finden als er in seinem Beruf“, erzählt sie, „also bin ich gekommen.“ Und sie wurde ein Blaubär.

Dass das Spiel gegen ihren Ex-Club aus Potsdam nicht stattfindet, der Verein zog sich im September wegen Insolvenz aus der Bundesliga zurück, schmerzt den Flachter Neuzugang. „Ich hoffte, beim Spiel in Potsdam viele alte Freunde zu treffen“, sagt sie vor der Partie der Blaubären am Samstag (19.30 Uhr) in der Heckengäusporthalle gegen Topclub SSC Palmberg Schwerin.

Längst ist Roxy Vogel im Schwabenland angekommen, musste aber feststellen, dass der Slogan „Wir können alles – außer Hochdeutsch“ überzogen ist. Im Südwesten gibt es kein Viba Nougat in den Regalen, eine süße Creme, die aus Schmalkalden in Thüringen stammt. „Ich bin damit in Erfurt praktisch aufgewachsen und liebe es seitdem sehr“, erzählt die Volleyballerin, „aktuell sind meine Vorräte aufgebraucht.“ So muss sie sich die leckere Masse von ihrer Mutter herschaffen lassen, wenn diese ein Spiel in Weissach besucht. Dann ist die Welt der Roxy Vogel in der Balance – sie hat Schokolade und einen Mann. Nix vintage, sondern 2025.


Binder Blaubären TSV Flacht: "Das nächste Spitzenteam vor der Brust"

Zwei Wochen nach dem Gastspiel bei Tabellenführer Allianz MTV Stuttgart stehen die Binder Blaubären TSV Flacht vor der nächsten gigantischen Hürde. Am Samstagabend gastiert der deutsche Meister in der Bärenhöhle.

Die begeisternden Bilder sind immer noch präsent. Mit den über 200 mitgereisten TSV-Fans verwandelten die Blaubären die prestigeträchtige Stuttgarter SCHARRena in eine zweite Bärenhöhle. Das Original kommt am Samstag wieder zum Einsatz, was ein Novum darstellt. Nach den Mittwochsspielen gegen Münster und Suhl schlagen die Binder Blaubären TSV Flacht erstmals in Deutschlands höchster Spielklasse zur Prime-Time am Samstagabend auf. Für diese Premiere hat sich ein würdiger Gast angemeldet: der amtierende deutsche Meister SSC Palmberg Schwerin.

Die Macht aus dem Osten
Die Gelb-Blauen aus der Stadt der sieben Seen sind nicht erst seit dem Meistertitel im Frühjahr eine der Großmächte des deutschen Volleyball-Sports. Bereits der 1955 gegründete Vorgängerverein SC Traktor Schwerin, aus dem der Schweriner SC nach der Wende hervorging, war mit sieben Meisterschaften, acht Pokalsiegen sowie zwei internationalen Titeln eine bedeutende sportliche Kraft im ostdeutschen Volleyball. Seit der Wiedervereinigung hat der Schweriner SC, der seit 2016 den Namen Möbelherstellers Palmberg aus dem mecklenburgischen Schönberg trägt, ganze 13 Meistertitel an die Ostsee geholt und ist dadurch mit weitem Abstand Rekordmeister der vereinten Bundesrepublik. Dazu kommen acht Erfolge im DVV-Pokal sowie der viermalige Gewinn des VBL-Supercups. Das Team aus der Hauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns weist eine lange und beeindruckende Vita auf.

Auch der neue Kader ist schlagkräftig aufgestellt
Nicht nur in der Vergangenheit waren die Schweriner eine Macht, die Mannschaft des niederländischen Frauen-Nationaltrainers Felix Koslowski will auch in der laufenden Saison ein gewichtiges Wort im Meisterschaftskampf mitreden. Aktuell liegen die SSC-Damen auf Platz zwei hinter Allianz MTV Stuttgart. Im Sommer musste die Mannschaft das Schicksal einer deutschen Topmannschaft erleiden und verlor mehrere Leistungsträgerinnen an die ausländische Konkurrenz, unter anderem die Liga-Top-MVP Elles Dambrink (12 Medaillen, meiste Goldmedaillen der Liga) nach Italien. Den Gesetzen der Nahrungskette folgend bediente sich Schwerin daraufhin bei der nationalen Konkurrenz und entkernte den USC Münster (drei Spielerinnen geholt, unter anderem Top-MVP Mia Kirchhoff). Im 14 Spielerinnen umfassenden Kader bilden die sechs Niederländerinnen den größten ausländischen Block, neben den ebenfalls sechs deutschen Spielerinnen. Zu diesen gehört auch Superstar Leana Grozer, die 18-Jährige ist bereits seit der Vorsaison absolute Leistungsträgerin beim SSC und kehrt am Samstag erstmals seit der Halbfinal-Niederlage bei der deutschen U18-Meisterschaft 2024 in die Weissacher Heckengäusporthalle II zurück.

Alles deutet auf einen Auswärtssieg hin
Die Vorzeichen der Begegnung sind im mindesten so deutlich wie noch in der Vorwoche gegen den Tabellenführer aus Stuttgart. Nachdem Schwerin bereits die Aufsteiger aus Hamburg und Borken mit einem deutlichen 3:0 vom Feld schoss und nur in einem Satz eine Punktzahl von über 20 kassierte, ist auch gegen den größten Underdog der Bundesliga mit einem deutlichen Sieg zu rechnen. Auch wenn Schwerin erstmalig auswärts gegen einen Aufsteiger antritt und die über 700 Kilometer lange Anreise sicher anstrengend wird, muss man davon ausgehen, dass die Volleyball-Bundesliga auch am Samstag wieder ihre unüberwindbare Leistungskluft offenbaren wird.

Winterzeit in der Bärenhöhle
Davon ist die Euphorie in Flacht keinesfalls gebrochen, der TSV freut sich auf den Besuch des Volleyball-Giganten. Zudem eröffnen die Binder Blaubären offiziell die Wintersaison, dementsprechend wird schon vor dem offiziellen Einlass vor der Bärenhöhle der heißgeliebte Glühwein von Wein-Partner Rolf Willy ausgeschenkt. Das erste Heimspiel nach einem vollen Monat Pause kommt also genau zur richtigen Zeit.


  • Württemberg-Derby: Blaubären-Fans feiern ihr Team trotz 0:3-Niederlage
  • Württemberg-Derby: Blaubären-Fans feiern ihr Team trotz 0:3-Niederlage

Im mit Spannung erwarteten Württemberg-Derby gegen den amtierenden Tabellenführer Allianz MTV Stuttgart mussten sich die Binder Blaubären TSV Flacht am Samstagnachmittag in der Stuttgarter SCHARRena geschlagen geben. Obwohl das Ergebnis von 3:0 (25:8, 25:12, 25:18) nach nur 59 Minuten Spielzeit die weiterhin makellose Bilanz der Stuttgarterinnen unterstreicht – sie bleiben Tabellenerster ohne Satzverlust –, zeigte unser Team vor allem eines: großen Kampfgeist und eine stetige Steigerung über die Partie hinweg.

Die Macht der Blaubär-Fans: Auswärtsspiel wird zur Heimparty
Ein besonderes Highlight war die unglaubliche Unterstützung von den Rängen. Trotz der beeindruckenden Kulisse von insgesamt 2212 ZuschauerInnen in der nahezu ausverkauften Halle, dominierten unsere Anhänger die Stimmung. Über 200 mitgereiste Blaubär-Fans sorgten lautstark und unermüdlich für eine Gänsehaut-Atmosphäre. Mit einem riesigen Fan-Banner und der stolzen TSV-Fahne war die Flachter Delegation auch optisch nicht zu übersehen und trieb die Blaubär-Ladies mit jeder gespielten Minute an.

Steigerung Satz für Satz
Das Spiel startete für Flacht erwartungsgemäß schwierig gegen Stuttgart, die ihre weiße Weste auch im ersten Satz (25:8) souverän verteidigten. Die Aufschläge der Stuttgarterinnen stellten dabei von Beginn an ein großes Problem für die Annahme der Blaubären dar, wodurch das eigene Spiel nur selten strukturiert aufgebaut werden konnte. Hinzu kam, dass der Versuch, selbst mit viel Druck im Aufschlag zu agieren, zu einer erhöhten Fehlerquote führte.

Doch das Team ließ sich nicht entmutigen! Angetrieben von den Fans auf den Rängen, steigerten sich unsere Blaubär-Ladies mit jedem Satz. Im zweiten Durchgang (25:12) zeigten sie bereits mehr Gegenwehr, insbesondere als sie begannen, mehr Variation in die Angriffe zu bringen und so wichtige Punkte zu erzielen. Die größte Belohnung für den Mut kam im dritten Satz: Mit 25:18 gelang es Flacht, den Gegner deutlich mehr zu fordern und eine kämpferische Leistung abzuliefern, die den eigenen Anspruch unterstrich.

MVP-Auszeichnung für Sara Marjanovic
Trotz der Niederlage gab es eine erfreuliche Ehrung: Unsere Außenangreiferin Sara Marjanovic wurde für ihre Leistung mit der silbernen MVP-Medaille ausgezeichnet. Die goldene Auszeichnung ging an die Stuttgarterin Pauline Martin.

Lob vom Gegner
Das positive Feedback nach dem Spiel spricht Bände über den Auftritt unseres Teams und unsere Anhänger. Fans und Team wurden als absolute Sympathieträger hervorgehoben. Aus dem Stuttgarter Lager gab es anerkennende Worte: Unsere Mannschaft hat trotz der Niederlage eine tolle Leistung gezeigt und bestärkt uns in der Überzeugung, dass der erste Satz- und Spielgewinn bald folgen wird.

Nächster Halt: Die Bärenhöhle brennt für Schwerin
Nach diesem intensiven Derby kehren wir nun in unsere heimische Bärenhöhle zurück! Am Samstag, den 29. November 2025, um 19:30 Uhr empfangen die Binder Blaubären den SSC Palmberg Schwerin. Wir setzen auf die Unterstützung unserer unglaublichen Fans, um gemeinsam den nächsten Schritt zu machen.

Text: Jule Baier
Foto: Nils Wüchner