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Binder Blaubären TSV Flacht: Sensation in der Bärenhöhle: Flacht schlägt Wiesbaden verdient

Im Duell mit dem alteingesessenen VC Wiesbaden erwartete kaum jemand in der Weissacher Bärenhöhle ein anderes Ergebnis als das deutliche 0:3 im Hinspiel. Doch die Binder Blaubären TSV Flacht zeigten ihre beste Saisonleistung und schlugen den VC überraschend deutlich mit 3:1.

Man hätte es erahnen können. Im Hinspiel hatten die Blaubären die ersten beiden Spielsätzen in Wiesbaden mit elf und neun eigenen Punkten verloren, im dritten Durchgang mit 19 Punkten jedoch eine deutliche Steigerung hingelegt. Folgerichtig knüpfte die Mannschaft von Trainer Manuel Hartmann genau daran an und holte im ersten Satz des Abends ganze 21 Punkte. Die Flachter Damen stellten den Gast aus Hessen vor erhebliche Probleme und so mancher Zuschauer in der auch im siebten Heimspiel ausverkauften Heckengäusporthalle II in Weissach begann, von der Überraschung zu träumen.

Erneute Leistungssteigerung: Blaubären gleichen aus
Der zweite Satz wartete auch gleich mit einer faustdicken Überraschung auf. Der TSV Flacht ging nicht nur in Führung, die ersten sieben Punkte landeten auf dem Konto der Blaubären. Jedoch zeigte sich in der Folge, der VC Wiesbaden ist eine Erstliga-Institution mit deutlich anderen Mitteln als der kleine Dorfverein aus Flacht. Besonders die 1,96 Meter große Außenangreiferin Pleun van der Pijl spielte ihre Top-Athletik oft aus und die Gäste näherten sich den Blaubären gefährlich an. Schließlich nahte der Satzball für die Blaubären, der über Verlängerung oder Sieg entscheiden sollte. Bei einem gefährlichen kurzen Aufschlag der Hessen wäre die Annahme beinahe misslungen, Hanna Kögler rettete den Ball jedoch und hielt ihn im Spiel. Nach mehreren abgewehrten Angriffen der Gäste stoppte schließlich Britta Schammer mit einem herausragenden Block die Bemühungen des VCW und brachte die Heckengäusporthalle zum Beben. Die Binder Blaubären TSV Flacht hatten den ersten Satzgewinn im Oberhaus vor heimischem Publikum gesichert und die Mannschaft hatte Blut geleckt.

Blaubären spielen dominant auf
Abermals begannen Frauen aus Flacht den Satz mit einer eigenen Führung. Anfangs noch knapp konnte der TSV die Führung recht bald auf mehrere Zähler ausbauen. Wieder kam Wiesbaden den Blaubären näher, dieses Mal ließen die Schwarz-Blauen sich aber nicht in die Enge treiben. Nach dem 21. Punkt für Wiesbaden fanden die Blaubären die direkte Antwort auf den Aufschlag in einem Angriff über Hanna Kögler, deren Angriff vom Block ins Aus versprang. Die Bärenhöhle kannte kein Halten mehr. Nicht nur der erste heimische Satzgewinn war gelungen, nun hatte sich der kleine TSV Flacht gegen den ehemaligen deutschen Vizemeister auch noch den ersten Punkt vor heimischem Publikum gesichert. Der Jubel auf den Rängen kannte kein Halten, zurecht fragte man sich: geht da noch mehr?

Matchball Binkau: Blaubären feiern ersten Heimsieg
Es ging. Die Blaubären gingen wieder früh in Front, liefen in der Folge jedoch mehrmals knappen Rückständen hinterher. Ein letztes Aufbäumen des taumelnden Riesen aus der Landeshauptstadt Hessens endete jedoch beim Stand von 14:13 für den TSV, der in der Folge auf sieben Punkte enteilte. Die Halle wurde zum Tollhaus, alles fieberte dem ersten Heimsieg der Erstliga-Geschichte entgegen. Die Dämme brachen final, als die Blaubären wie im Satz zuvor den Gegner direkt auskonterten, dieses Mal reichte es dem VCW nur zu 19 Zählern. Erneut kam der Aufschlag postwendend zurück, Hanne Binkau überlistete den Block mit einem frechen Lupfer und verwandelte Flachts Heimspielstätte endgültig in einen Tempel der Glückseligkeit.

Hanne Binkau erhält nächste Auszeichnung und beweist Erstliganiveau
Die „Acht aus Flacht“ befindet sich in Bestform. Die 27-jährige Binkau heimste bereits ihre dritte MVP-Medaille der Saison ein, alle drei seit dem Jahreswechsel. Im Heimspiel gegen Erfurt sowie im Auswärtsduell beim USC Münster hatte das Nordlicht bereits eine Silberplakette in Empfang genommen, vor den Zuschauern in der Bärenhöhle wurde die Außenangreiferin erstmals für eine Goldmedaille bejubelt. Binkau überzeugt in Deutschlands höchster Spielklasse mit ihrem Spielstil, der sich weniger durch spektakulär kraftvolle Angriffe auszeichnet als vielmehr durch ein brillantes Lesen der Spielsituationen und extreme Präzision in der Platzierung ihrer Bälle. Die gegnerischen Blockwände sind für die gewiefte Angreiferin weniger Hindernis als vielmehr oft ein Werkzeug auf dem Weg zum eigenen Punkterfolg. Gemeinsam mit Zuspielerin Roxana Vogel, die ebenfalls zu glänzen wusste, steht sie mit zwei Silber- und einer Goldmedaille an der Spitze des Flacher Rankings. Im quantitativen Vergleich ziehen jedoch beide gegen Kapitänin Frauke Neuhaus (sechsmal Silber) den Kürzeren.

Erfolgsformel der Blaubären: Kämpfen und niemals aufgeben
Mancher rieb sich verwundert die Augen und fragte sich, wie das passieren konnte? Wie konnte ein Verein, der vor drei Jahren noch die Bezirksliga unsicher machte, plötzlich eine seit über zwei Jahrzehnten in der deutschen Beletage zementierte Mannschaft, die vor Nationalspielern und Vollprofis strotzt, so klar besiegen? Die Blaubären zeigten erneut ihre besondere Qualität. Selbst wenn die sportliche Klasse des Kaders sicher nicht mit den Hochkarätern des Gegners mithalten konnte, verlegten sich die TSV-Damen, wie sie es schon oft in dieser Spielzeit taten, auf ihre größte Stärke: den unbändigen Kampfgeist. Die Mannschaft nahm die Rolle des rebellischen Underdogs dankend an und spielte befreit auf. Wiesbaden hingegen stand nach den deutlichen Klatschen gegen Dresden und Erfurt unter größerem Druck. Den wuchtigen Angriffen der Gäste hielt die Defensive der Blaubären jedoch bombenfest stand. Egal ob Leonie Büdenbender oder Alina Stäbler, Flachts Liberas waren kaum zu bezwingen. Auch der Rest der Mannschaft wehrte noch so unmögliche Bälle noch ab. Versprungene Bälle jagte die Mannschaft unerbittlich über das ganze Spielfeld, warf sich nach allem, was in irgendwelcher Weise noch erreichbar schien. Die Bälle von Roxana Vogel fanden regelmäßig punktgenau die Angreiferinnen in Schwarz-Blau, wenn sie diese nicht direkt selbst über die Netzkante versenkte. Ihre Mitspielerinnen konnten sich bestens einspielen, Trainer Hartmann verzichtete fast gänzlich auf Rotationen in der Mannschaft. Britta Schammer, Hanne Binkau, Hanna Kögler, Roxana Vogel, Lizzy Lobzhanidze und Kapitänin Frauke Neuhaus bestritten alle vier Sätze über die volle Distanz. Nur die beiden weiß gewandeten Liberas wechselten sich mehrfach ab, wobei beide auf ganzer Linie überzeugten. Der leidenschaftliche Auftritt des TSV Flacht entfachte ein ebenso leidenschaftliches Feuer auf den Rängen der ausverkauften Halle. Die Zuschauer verwandelten die edle Spielhalle in einen Hexenkessel, in dem man sein eigenes Wort kaum zu verstehen wusste. Die mitgereisten Anhänger des VCW hatten anfangs noch mit lautstarken Trommeln auf sich aufmerksam gemacht, doch ihre Lautstärke und Unterstützung erstarb mehr und mehr im Angesicht des Niedergangs ihrer Mannschaft und in der Konfrontation mit den ohrenbetäubenden Heimfans.

Von Superlativen und Tabellenkonstellationen
Der erste Satzgewinn, der erste Punktgewinn, der erste Sieg, der erste Dreipunktegewinn vor heimischem Publikum – um den 3:1-Erfolg des TSV Flacht rankten sich vielerlei Erzählungen. Besonders beachtlich, dass die Binder Blaubären diesen Erfolg nicht gegen einen der neu Mitaufgestiegenen, sondern gegen eine etablierte Erstligamannschaft einfuhren. Ein Sieg gegen eine ebensolche war zuvor weder den Skurios Volleys Borken noch dem ETV Hamburg gelungen, Flacht ist der erste Aufsteiger, dem dieses Kunststück gelingt. Geglückt wäre wohl der falsche Ausdruck gewesen, denn die Gastgeber erarbeiteten sich den Erfolg mit ihrem Kampfeinsatz auf dem Feld. Die Mannschaft schrammte nur knapp am besten Punktergebnis der Saison vorbei, in Hamburg gelang genau ein Zähler mehr. Eben jene Hamburger verdrängen die Blaubären vom zehnten Tabellenplatz, der ETV übernimmt mit nur drei Zählern den letzten Tabellenplatz. Interessant: Flacht holte von allen Aufsteigern die wenigsten Sätze (sieben gegenüber neun bei Hamburg und Borken). Der Flachter TSV hat jedoch derzeit noch ein Spiel weniger auf der Habenseite als seine beiden Konkurrenten, die beide noch den beschwerlichen Weg in das Tollhaus Heckengäusporthalle bestreiten müssen. Die Blaubären robben sich bis auf einen Zähler an die Skurios Volleys (sieben Punkte) heran. Zehn Punkte und zwei Plätze weiter vorn das gleiche Bild, Wiesbaden verpasst es, die heranrückenden Erfurter, die ebenfalls noch ein Spiel Rückstand auf den VCW haben, zu distanzieren.

Nächstes Wochenende: Stuttgart kommt
Mit reichlich Rückenwind gehen die frisch gebackenen Heimsieger des TSV Flacht am kommenden Wochenende in das Duell mit dem übermächtigen Nachbarn, Tabellenführer Allianz MTV Stuttgart. Das für Samstagabend angesetzte Spiel ist ebenfalls seit Wochen restlos ausverkauft.

Text: FN | Binder Blaubären TSV Flacht
Foto: Marc Pflüger


Vorbericht: Zurück zum Startschuss: Blaubären gegen VC Wiesbaden

Nach der Rückkehr aus Suhl steht für die Binder Blaubären TSV Flacht endlich wieder ein Heimspiel an. Zu Gast in der Bärenhöhle ist erstmalig der VC Wiesbaden.

Das erste Auswärtsspiel ihrer Erstligageschichte bestritten die Blaubären bei Schwarz-Weiß Erfurt, nachdem diese Anfang Januar in der Bärenhöhle gastierten, folgt nun das Duell mit dem VC Wiesbaden. Nach zwei Heimspielen gegen Münster und Suhl, die zuletzt Besuch vom TSV Flacht erhielten, reisten die Schwarz-Blauen zu den Himmelblauen in die hessische Landeshauptstadt. Zum damaligen Zeitpunkt befand sich die Flachter Mannschaft noch in der Findungsphase, doch das Spiel in Wiesbaden stellte einen Wendepunkt, einen Startschuss für das Team von Manuel Hartmann dar. Nach zwei mit elf und neun Punkten deutlich verlorenen ersten Sätzen ging während der folgenden Pause offenbar ein Rück durch die Mannschaft - im dritten Satz sammelten die Blaubären stolze 19 Punkte und präsentierten den ersten von vielen folgenden hochemotionalen Auftritten.

Wiesbaden im Umbruch: Keine Chance gegen große Gegner
Wiesbaden spielt in einer Spielzeit nach gewaltigem Umbruch (12 Abgänge im Sommer) wie gewohnt im Mittelfeld der Liga mit. Von bislang 14 Spielen gewann der VCW sieben, diese allerdings vor allem gegen tiefer platzierte Mannschaften. Unter anderem die bisherigen vier Spiele gegen die neuen Aufsteiger sicherten Wiesbaden lockere Dreisatzsiege. Hinter Aachen und Münster bildet die Mannschaft derzeit das Schlusslicht der Mittelfeld-Fraktion. Im DVV-Pokal verlor die Mannschaft von Trainer Tigin Yaglioglu im Achtelfinale ebenso wie in beiden Ligaduellen gegen Aachen.

Blaubären auf der Jagd nach dem nächsten Applaus
Nicht nur die eigenen Anhänger feierten die Blaubären frenetisch, auch der gegnerische Anhang bedachte den Aufsteiger mit ehrfürchtigem Applaus. Wenn Flachts Blaubären am Sonntag ab 18:00 Uhr den 15. Spieltag der Saison beschließen, soll es diesen erneut geben.

Text: FN | Binder Blaubären TSV Flacht


Leonberger Kreiszeitung vom 26.01.2026: Den Blaubären wird das Fell über die Ohren gezogen

Bundesliga-Aufsteiger TSV Flacht wird beim Tabellenzweiten VfB Suhl in nur 54 Minuten mit einem 0:3 (13:25, 7:25, 7:25) abgefertigt.

Jürgen Kemmner

Suhl/LeonbergEs gibt im Sport verschiedene Arten von Niederlagen. Das 1:3 der Binder Blaubären beim USC Münster war eine, die Mut machte, weil beim Erstliga-Neuling viel funktionierte. Das 0:3 der TSV-Frauen beim VfB Suhl dagegen war eine, die auch die Optimisten rund um die Blaubären erschreckte, weil sämtlichen Volleyball-Anforderungen nicht erfüllt worden waren.

„Ob in Angriff und Annahme, ob im Block oder im Zuspiel“, klagte Co-Trainer Nico Reinecke, der den grippegeplagte Chefcoach Manuel Hartmann vertrat, „nichts hat so funktioniert wie man es von der Mannschaft hätte erwarten können.“ So war die Begegnung bereits nach 54 Spielminuten beendet – Negativrekord für die Blaubären, nie dauerte ein Bundesliga-Spiel mit ihnen kürzer.

Um irgendwelchen Fantastereien vorzubeugen: Der Tross aus dem Heckengäu war freilich mit stark gedämpften Erwartungen nach Thüringen gereist. „Uns allen war absolut bewusst“, sagte Nico Reinecke, „dass der VfB Suhl eine andere Hausnummer darstellt wie der USC Münster.“ Soll heißen: Mit einem Satzgewinn wie beim USC liebäugelte niemand bei den Blaubären. Aber die Mannschaft, so die Vorgabe des Co-Trainers, sollte mit dem Spirit vom Münster-Spiel aufs Feld laufen.

Doch davon war der TSV Flacht so weit entfernt wie ein Tanzbär von einer Berufung ins Stuttgarter Ballett. Egal ob Offensive oder Defensive, die Blaubären waren nicht konkurrenzfähig. Frauke Neuhaus hatte eine erfolgreiche Angriffsquote von 16 Prozent, der VfB Suhl hatte sich auf die Flachter Kapitänin bestens eingestellt. Suhl gelangen 13 Blockpunkte, den Blaubären lediglich winzige zwei. „Es gab kaum gelungene Aktionen, an denen wir uns hätten mental hochziehen können“, konstatierte Nico Reinecke.

Darüber hinaus produzierte das Volleyball-Personal aus dem Heckengäu Fehler am Fließband – die Bälle blieben im VfB Block hängen (13-mal), es gab Patzer im Angriff (11-mal), die Annahme schlug neunmal fehl und viermal landete ein Aufschlag nicht im gegnerischen Feld. „Wir haben eigene Fehler geleistet, die gut eineinhalb Sätze ausmachen“, räumte der Flachter Co-Trainer ein, „und wir alle wissen: Das können wir besser.“

Daher wird der niveau-arme Auftritt in Suhl auch nicht abgehakt nach dem Motto „Mund abputzen, weitermachen“. In dieser Woche vor dem Heimspiel gegen den VC Wiesbaden am nächsten Sonntag (18 Uhr) wird die Partie noch einmal durchleuchtet, um eine Antwort auf die Frage zu erhalten: Warum war die Mannschaft lediglich körperlich, aber nicht mental anwesend in der Sporthalle Wolfsgrube? „Wir müssen daraus die richtigen Lehren ziehen“, verdeutlich Nico Reinecke die Aufgabe des Trainerteams.

Denn gegen die schwächeren Gegner wie VC Wiesbaden und vor allem die Mitaufsteiger Volleys Borken und ETV Hamburg sollen sich die Blaubären physisch fit und geistig gesund in Topform befinden.