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Die Blaubären-Bande aus Flacht

Der Volleyball-Bundesligist hat vier besondere Anhänger im Kostüm auf der Tribüne – Michael Zsambeki hatte vor zwei Jahren die Idee für den Support in Blau.

Leonberger Zeitung vom 27.12.25 | Jürgen Kemmner

Weissach-FlachtNein, Michael Zsambeki war nicht vollkommen betrunken, als ihm der Gedanke durch den Kopf schoss. Der Mann aus Flacht hatte vor zwei Jahren in einem Karnevals-Katalog den „Crazy Bear Overall“ entdeckt, eine Ganzkörper-Verkleidung als blauer Bär, zum erschwinglichen Preis von 37,95 Euro, was für einen Schwaben ein wichtiges Kaufkriterium darstellt. „Das ist es“, sagte der heute 49-Jährige zu seinen drei Kumpels, „das holen wir uns.“

Eine wahnwitzige, unüberlegte Schnapsidee war’s also nicht, die sich bei Michael Zsambeki verfangen hatte, trotzdem blieben Alexander Knapp, Timo Essig und Markus Schöck reserviert wie drei feine Damen beim Fünf-Uhr-Tee im britischen Empire. Der Initiator blieb beharrlich, schließlich überzeugte er seine Kollegen, vier Kostüme zu bestellen. Ob er bei der Überredungsarbeit mit Alkohol nachgeholfen hat? Wer weiß?

Das Ergebnis zeigt sich nun nahezu bei jedem Heimspiel der Binder Blaubären des TSV Flacht in der Heckengäusporthalle – also auch am kommenden Sonntag (15 Uhr), wenn der Volleyball-Bundesligist den Dresdner SC empfängt. Das Blaubären-Quartett steht am hinteren Ende der Halle auf der Tribüne und feuert die TSV-Frauen nach Kräften an – sie sind ein fester Bestandteil der Heimpartien geworden und es fällt auf, wenn sie wegen Krankheit fehlen. „Unsere Aktion ist hervorragend angekommen“, erzählt Michael Zsambeki, kurz genannt Zsambe, „mittlerweile feiert es jeder in der Halle.“

Dabei ist es erstaunlich, dass sich die vier Männer regelmäßig in Blaubären verwandeln, denn mit Volleyball hatte lange keiner was am Hut. Es hat sich einfach so ergeben, als der TSV Flacht per Wildcard in der Runde 2023/2024 in der Zweiten Liga Pro der Frauen mitmischte. Michael, Markus und Timo stammen aus Flacht, Alexander spielt beim TSV Fußball, und das Quartett schaute immer wieder bei Heimspielen vorbei. „Im Volleyball gibt es ja so was wie eine Fankultur nicht wirklich“, sagt Zsambeki, „da haben wir überlegt, was wir tun könnten.“ Und weil die Herren-Truppe bereits seit 2019 gemeinsam Karneval im Schotten-Kostüm feiert, war es kein Zufall, dass der 49-Jährige einen Katalog mit Verkleidungen besaß ...

Ihren ersten Einsatz als Blaubären hatte die Flachter Vier am 23. März 2024 beim Auswärtsspiel der Volleyballerinnen in Straubing – für die mitgereisten Fans war es eine Überraschung. „Wir haben nur gesagt, dass wir was vorbereitet haben“, erzählt Zsambeki, „wir haben die anderen in die Halle geschickt und sind in Verkleidung nachgekommen.“ Die Resonanz war überwältigend positiv, die Befürchtungen von Knapp, Essig und Schöck, sich lächerlich zu machen, löste sich auf wie Rauch bei Windstärke 10.

Auch wenn die vier zu Auswärtsfahrten aufbrechen, steckt das Kostüm in der Tasche. Beim 3:1-Erfolg beim ETV Hamburg vor wenigen Wochen wurde das Quartett von zwei älteren ETV-Anhängern angesprochen, die begeistert waren von der Idee, „man kommt so ja schnell mit Leuten ins Gespräch“, berichtet Blaubär Zsambeki, „und bei allen sind wir super gut angekommen.“ Dass das außergewöhnliche Fan-Engagement auch die Funktionäre und Spielerinnen des TSV erfreut, versteht sich von selbst – wobei eine Verschwisterung zwischen männlichen und weiblichen Blaubären noch nicht stattgefunden hat. „Wir kennen keine Spielerin persönlich“, sagt Zsambeki.

Dabei kommen die Vier auf der Tribüne in einer warmen Halle mitunter genauso ins Schwitzen wie die Frauen auf dem Spielfeld. „Wir tragen wenig drunter“, verrät der Ideengeber, „nach dem Tragen sollte das Kostüm in die Waschmaschine.“ Kaltwäsche übrigens. Selbstverständlich, echte Blaubären baden bekanntlich in kaltem Wasser.


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Leonberger Kreiszeitung vom 22.12.25 | Jürgen Kemmner

Blaubären sind völlig von der Rolle
Volleyball-Bundesligist TSV Flacht unterliegt bei den Skurios Volleys Borken sang- und klanglos mit 0:3 – und Trainer Manuel Hartmann ist danach ziemlich ernüchtert.

Borken/Leonberg„Es ist nicht so gelaufen wie geplant“, steht in englischen Worten auf den Instagram-Eintrag der Binder Blaubären aus Flacht als knappes Resumée zum Auswärts-Auftritt in Borken. Eine etwas geschönte Aussage. Mit 0:3 (19:25, 18:25. 25:27) waren die Gäste aus dem Heckengäu im Münsterland hoffnungslos untergegangen wie ein Tretboot in einem Tropensturm.

„Das war überhaupt nichts“, stöhnte Cheftrainer Manuel Hartmann, nachdem sein Team im Duell der Bundesliga-Aufsteiger erst mit Volleyball zu spielen begann, als die Partie so gut wie verloren war. „Es standen zwar sechs Spielerinnen auf dem Feld, aber irgendwie waren wir gar nicht richtig anwesend.“

Klare Worte vom Trainer, der am vergangenen Montag 39 Jahre alt geworden ist. Der Frust war groß im Lager der Blaubären am Samstagabend – denn die Volleyballerinnen den TSV Flacht und ihre rund 30 mitgereisten Anhängen hatten vor dem Anpfiff fest daran geglaubt, etwas mitzunehmen aus der Mergelsberg-Sporthalle in Form von Punkten. Nun war es aber lediglich ein großes Päckchen vollgepackt mit Enttäuschung. „Es wäre wirklich mehr drin gewesen“, klagte Hartmann, „Borken genügte nicht mehr als eine solide Leistung, um 3:0 zu gewinnen.“

Dabei waren der Tross der Spielerinnen und Funktionäre bereits am Freitag angereist, um am Spieltag nicht sieben Stunden Busfahrt im Körper stecken zu haben. Doch der Samstag zog sich lange hin im Hotel ohne etwas zu tun zu haben, und Manuel Hartmann meinte: „Das war natürlich nicht ideal, aber es taugt bestimmt nicht als Ausrede.“ Vielleicht waren es die hohen Erwartungen der TSV-Frauen vor dem Duell gegen die Volleys Borken, die als Mitaufsteiger auf einem ähnlichen Leistungsniveau eingeordnet worden waren. Der zweite Bundesliga-Sieg nach dem 3:1 in Hamburg schien greifbar.

Doch die schöne Rechnung ging nicht auf, Wunsch und Wirklichkeit klafften auseinander wie sich zwei Magneten abstoßen. „Wir waren weit weg von der Leistung, die wir gegen den SSC Schwerin und beim ETV Hamburg gezeigt haben“, stellte der Chefcoach reichlich ernüchtert fest, „wir sind zweieinhalb Sätze weit unter dem geblieben, was wir können.“ Es mangelte an Kommunikation auf dem Spielfeld, häufig wurde die falschen Entscheidung getroffen, es funktionierte wenig – Hartmann hatte schon in seiner ersten Auszeit gefordert, „die Handbremse zu lösen“, der Coach versuchte mit vielen Wechseln die Trägheit aus dem Team zu verbannen, brachte Franka van der Veer im zweiten Satz, schickte Saskia Zuber als Zuspielerin und Alina Stäbler als Libera im dritten Durchgang aufs Feld.

Das mental Niederschmetterndste war: Die Gastgeberinnen mussten kein Volleyball vom Feisten aufs Parkett zaubern, um Punkt für Punkt einzusammeln. Die Blaubären fanden keine Lösungen, um den Borkener Angriff zu entschärfen und auch die zahlreichen Rochaden im eigenen Team führten lange nicht zu einer Wende. Erst im dritten Satz beim Stand von 9:16 – als das Spiel eigentlich so gut wie verloren war – fanden die Gäste aus dem Heckengäu ins Match.

Die Flachter Frauen kamen immer näher, dann führten sie 21:20 – doch sie konnten die Partie nicht mehr drehen. Einen Matchball wehrten die Blaubären ab, einen Satzball vergaben sie und mit Matchball Nummer zwei war kurz nach 20.30 Uhr in Borken die Nullnummer der Binder Blaubären amtlich – sie sind nun wieder Liga-Schlusslicht.

Manuel Hartmann redete Klartext, fand aber, dass das Team erst mal vom Volleyball abschalten solle – das Montagstraining wurde gestrichen, vor dem Heimspiel gegen den Dresdner SC am Sonntag (215 Uhr) steht nur eine Übungseinheit am Freitag an. „Wir sind keine Vollprofis“, begründete der 39-Jährige den vorgezogenen Weihnachtsurlaub, „es geht darum, die gute Laune zu erhalten, da muss man schon auch den Handel eingehen, ein Training ausfallen zu lassen.“ Die Pleite in Borken, das darf man aus dieser Aussage schließen, hat allen bei den Binder Blaubären einen harten mentalen Schlag versetzt.