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Blaubären sind in der Liga angekommen

Blaubären sind in der Liga angekommen

Leonberger Kreiszeitung vom 03.02.2026 | Jürgen Kemmner

Mit dem überraschenden 3:1 über VC Wiesbaden hat Aufsteiger TSV Flacht erfahren, dass das Team in der Volleyball-Bundesliga nicht nur ein Punktelieferant ist.

WeissachEinen so berauschenden Abend wie am Sonntag hatte es noch nie in der Bärenhöhle gegeben: Aufsteiger Binder Blaubären TSV Flacht hatte den VC Wiesbaden recht überraschend mit 3:1 besiegt und die Heckengäusporthalle in eine laute Partymeile verwandelt. „Dieser Erfolg tut uns ungemein gut“, freute sich Manager Michael Kaiser, der zuvor alle an seine Brust gedrückt hatte, die ihm über den Weg gelaufen waren.

Es war ein großer, ein wichtiger Schritt für den Aufsteiger – bislang hatten die Blaubären lediglich bei Mitaufsteiger ETV Hamburg gesiegt, nun war ihnen ein wegweisender Erfolg über einen arrivierten Erstligisten gelungen. „Wir sind der erste Neuling, der einen langjährigen Bundesligisten geschlagen hat“, betonte Trainer Manuel Hartmann.

Damit haben die Blaubären nicht nur die Rote Laterne dem ETV Hamburg in die Hand gedrückt, sondern in der gesamten Liga für ein interessiertes Aufhorchen gesorgt. „Wir haben gezeigt, dass wir dazugehören“, sagte Michael Kaiser uns strahlte. Nachdem Kapitänin Frauke Neuhaus den Tanz im Spielerinnenkreis und die La-Ola vor der Tribüne hinter sich gebracht hatte, gab sie eine kurze Blitzanalyse. „Wir waren voll da“, sagte die 32-Jährige, „und vom zweiten Satz an waren wir alle on fire. Und wie uns die Fans gepusht haben, das war geil.“

Vor diesem denkwürdigen Abend in Weissach hatten sie bei den Blaubären oft darüber sinniert, wie ihnen ein Sieg gegen einen etablierten Club gelingen könnte. Die Quintessenz: Die Frauen des TSV Flacht müssten einen Sahnetag erwischen und der Gegner dürfte sein Leistungsmaximum nicht abrufen. Treffender hätte die Annahme nicht sein können. Der VC Wiesbaden – geschwächt durch den Ausfall der routinierten Libera Rene Sain (28) – fand nur phasenweise zu seiner Spielkultur und leistete sich immer wieder Fehler. „Auch“, bemerkte Manuel Hartmann, „weil wir sie dazu gezwungen haben.“

Doch es waren nicht die partiellen Patzer der Gäste aus Hessen, die den Blaubären den Triumph in der erneut mit 433 Zuschauern ausverkauften Halle ermöglicht hatten – es war die Leistung aus einem Guss des Gastgebers. Die Frauen aus Flacht steigerten sich nach wackeligem Start sowohl im Angriff als auch in der Annahme. Zwölf Aufschlag-Assen standen acht Aufschlagfehler gegenüber. „Ab Mitte des ersten Satzes waren wir da, wo wir taktisch hinwollten“, sagte Hartmann.

Dabei ragten Hanne Binkau und Hanna Kögler heraus, die auf der linken Seite für Variabilität im Angriff sorgten, weil die Blaubären nicht wie sonst vornehmlich Frauke Neuhaus suchen mussten. Die Zahlen belegen: Binkau war mit 14 Angriffspunkten die Topscorerin des TSV, erst dahinter folgten Allzweckwaffe Neuhaus (13) sowie Kögler (10). „Hanne und Hanna haben Frauke die Hauptlast abgenommen“, freute sich Hartmann.

Weniger überraschend als der erste Bundesliga-Heimsieg war daher, dass Binkau zur wertvollsten Spielerin der Blaubären gekürt wurde. „Wir haben geile Punkte gemacht“, sagte die 27-Jährige, „das hat sich toll angefühlt. Wir waren im Flow.“ Auch die Fans trugen ihren Teil bei: Hätte in der Halle eine Lautstärkenmessung stattgefunden, wäre ziemlich sicher konstatiert worden: So viel Lärm gab es in der Bärenhöhle noch nie. „Die Fans waren so laut, wir haben unsere eigenen Worte kaum verstanden“, erzählte Binkau.

Mit dem 3:1 dürften die Blaubären in der Bundesliga angekommen sein, der Erfolg schüttet ein ordentliches Maß an Selbstvertrauen aus – nun haben alle im Team erfahren, was möglich sein kann. Diese mentale Reife ist Coach Hartmann wichtig. „Ich habe stets appelliert“, sagte der 39-Jährige, „ihr müsst an den Erfolg glauben.“ Glaube, so sagt man, könne Berge versetzen. Allerdings kommt am Samstag ein ganzes Bergmassiv nach Weissach: Primus Allianz MTV Stuttgart, der erst zwei Sätze abgegeben hat. „Wir können das einordnen“, versprach Hartmann.