Aufsteiger TSV Flacht empfängt den Bundesliga-Überflieger Stuttgart – eine reelle Siegchance besteht nicht, was Coach Hartmann nicht stört.
Leonberger Kreiszeitung bom 06.02.2026 | Jürgen Kemmner
Am Montag nach dem 3:1-Erfolg über den VC Wiesbaden durften sich die Volleyballerinnen der Binder Blaubären TSV Flacht erholen, Manuel Hartmann hatte trainingsfrei gegeben. Am Dienstag stand die erste Wocheneinheit an, und der Chefcoach war begeistert. „Das war eines der besten Trainings, die ich hier erlebt habe“, sagte er, „die Mannschaft hat voll durchgezogen – und sie ist weiter hungrig auf Erfolg.“
Kein Zurücklehnen beim Aufsteiger samt Ausruhen auf den Lorbeeren, am Samstag (19.30 Uhr) steht die nächste Partie an – und die wird eine Mammutaufgabe. Es kommt der souveräne Tabellenführer Allianz MTV Stuttgart in die Heckengäusporthalle.
Sich gegen den Branchenführer was auszurechnen, der in der gesamten Saison erst zwei Sätze abgegeben hat, wäre als würde man einen Lottoschein ausfüllen und einen Sechser plus Superzahl erwarten – Chance 1:140 Millionen. Ob die Gewinnwahrscheinlichkeit der Blaubären in ähnlicher Dimension liegt? Vielleicht etwas besser, aber im Heckengäu geht jeder Realist davon aus, dass am Ende ein 0:3 gegen die Stuttgarter stehen wird. Allianz MTV spielt in einer ganz anderen Liga als der TSV, der Saisonetat beträgt das Zehnfache dessen, was in Flacht für den Erstliga-Volleyball investiert wird.
Manuel Hartmann hält nichts von Fantasterei, der 39-Jährige hofft aber, dass seine Mannschaft etwas von der Wiesbaden-Euphorie mit in die Begegnung nimmt. „Ich hoffe“, sagt er, „dass wir so stark spielen, dass die Stuttgarter nicht ausschließlich mit ihrer zweiten Garde auf dem Feld stehen können.“ Ob es ein Vorteil oder ein Nachteil ist, nach dem ersten Sieg gegen einen etablierten Bundesligisten gleich im Anschluss auf den Überflieger der Liga zu treffen, mag Hartmann nicht konkret beantworten.
Einerseits könnte es ein Vorteil sein, da er den Stammkräften ein paar Spielpausen gönnen könnte, die zuletzt nahezu immer durchgespielt haben. Andererseits könnte das Pflänzchen der Begeisterung eingehen, das im Team um Kapitänin Frauke Neuhaus nach dem Sieg über Wiesbaden gekeimt ist. „Viel wird davon abhängen“, vermutet der Blaubären-Coach, „wie wir ins Spiel starten.“
Als Ziel hat Hartmann ausgegeben, gegen Allianz MTV zu lernen, jede Einzelne soll sich weiterentwickeln und am Auftritt arbeiten. Denn nicht Stuttgart und der SSC Palmberg Schwerin am nächsten Freitag sind die Gegner, gegen die es zu bestehen gilt, die heißen Volleys Borken, ETV Hamburg und vielleicht Ladies in Black Aachen. Auch deshalb will Hartmann im Team durchwechseln, die Begegnung als Testspiel mit Wettkampfcharakter begreifen, um zu erkennen, welche Spielerin sich für die erste Sechs aufdrängt.
Die Blaubären aus Flacht wollen den viermaligen deutschen Meister am Samstag zumindest ein ganz klein wenig ärgern – wie ein Floh, der immer wieder mal zusticht. „Jede Minute, die Stuttgart mit der ersten Sechs auf dem Feld steht“, sagt der Coach, „ist für uns eine Auszeichnung.“

