Ihre Premierensaison im Volleyball-Oberhaus haben die Blaubären des TSV Flacht als bester der drei Aufsteiger abgeschlossen. Die Mannschaft wurde verjüngt und professionalisiert, in dieser Saison soll nun der nächste Schritt in Richtung Etablierung in der Liga erfolgen. Cheftrainer Manuel Hartmann (39) weiß, dass nicht nur Technik und Athletik über Erfolg entscheiden, sondern auch Einstellung und Mentalität.
Herr Hartmann, ich vermute, alle Blaubären brennen darauf, sich in einem Punktspiel beweisen zu dürfen, oder?
Ja, auf jeden Fall. Man merkt, dass es Samstag losgeht und alle ein bisschen angespannter und nervöser als sonst sind. Alle sind hungrig und wollen loslegen.
Wie lief die Vorbereitung?
Wie geplant. Wir wurden von Block zu Block mehr Spieler, jetzt sind wir seit fast zwei Monaten vollständig. Grundsätzlich: Mit der Entwicklung bin ich zufrieden. Die Themen, an denen wir arbeiten wollten, haben wir teilweise sehr, sehr gut verbessert.
Zum Beispiel?
Unsere Angriffseffektivität, das war letztes Jahr unsere größte Schwachstelle. Da sind wir jetzt zumindest, was die Statistik der Testspiele zeigt, deutlich besser - auch wenn die Gegner in der Bundesliga andere sein werden.
In der Premierensaison war auch die hohe Geschwindigkeit im Spiel eine Achillesferse.
Die letztes Jahr dabei waren oder die Neuzugänge, die aus der Bundesliga kommen, die kennen die Geschwindigkeit schon. Bei den Jüngeren, die neu dabei sind, die teilweise auch nicht aus der ersten Liga kommen, da merkt man schon, dass das alles ein bisschen zu schnell geht. Gerade diese Spielerinnen werden die ersten Ligaspiele brauchen.
Wenn Sie die Vorbereitung mit der von 2025 vergleichen - wo liegen die größten Unterschiede?
Wir hatten wesentlich mehr Zeit. Letztes Jahr ging es darum, schnellstmöglich alle zusammenzubringen und zu gucken, dass wir auf dem Feld zusammen spielen können. Das war nun wesentlich entspannter, weil es Zeit gab. Wir hatten mehr die Möglichkeit, am Vormittag zu arbeiten und individuell an der Technik zu feilen. Ansonsten ist das Trainingsniveau ein ganz, ganz anderes - die Spielerinnen, die wir gehalten haben, spielen jetzt wesentlich höher, weil sie Erstliga-Erfahrung besitzen.
Sieben Spielerinnen sind geblieben, sieben neu dabei - wie bringt man die Puzzleteile zusammen?
Volleyball ist taktisch kein Hexenwerk. In den meisten Ligen wird ähnlich gespielt, da muss niemand etwas komplett Neues lernen. Das heißt, das geht relativ schnell. Beim Spielniveau gibt es ein bisschen was zu tun. Eine, die aus der unteren Liga kommt, ist technisch und athletisch noch nicht so weit. Das ist Trainingsarbeit. Was das Soziale in der Mannschaft angeht, das findet sich von alleine. Das ist jetzt schon eine Truppe, die sich gut versteht, die auch außerhalb etwas miteinander unternimmt.
Wurden bei den Neuverpflichtungen alle Wünsche des Coaches erfüllt?
In dem Rahmen, den wir haben, bin ich sehr, sehr zufrieden. Die Neuzugänge sind ja quasi alle Spielerinnen, die in Richtung Leistungssport setzen, die ihre berufliche Karriere im Sport sehen. Und das ist motivierend.
Auch für den Chefcoach.
Auf jeden Fall. Ich kann mehr eingreifen. Das individuelle Training hat im technischen Bereich auch die Chance, mehr Gespräche zu führen, die Spielerinnen im mentalen Bereich zu unterstützen. Das ist schwierig, wenn Spielerinnen lediglich drei Stunden am Abend Zeit haben, weil sie ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Das lässt mir wesentlich mehr Möglichkeiten, meine Fähigkeiten, mein Potenzial auszuspielen.
War Frauke Skrabak (ehemals Neuhaus) als Kapitänin gesetzt?
Ja. Am Ende muss die Kapitänin jemand sein, die in der Lage ist, die Mannschaft in einer gewissen Weise zu führen. Es muss eine Spielerin sein, die einerseits mir folgt, andererseits aber auch mir widersprechen kann. Das hat die Frauke letztes Jahr gut gemacht. Und ich gehe davon aus, dass sie es dieses Jahr wieder gut macht.
Die Blaubären waren letzte Saison bester Aufsteiger. Wie sieht das Ziel jetzt aus?
Ein konkretes Ziel im Sinne von Platzierung, Punkte, Sätze, das gibt es nicht. Ich halte davon nichts - man hat sehr wenig in eigener Hand bei solchen Zielen. Unser Ziel ist es, zu lernen, im aktuellen Punkt die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und wenn das oft genug passiert, gewinnt man auch mal einen Satz oder ein Spiel. Wenn wir anders ins Rennen gehen, ist die Chance, dass wir frustriert werden oder Sorgen kriegen, recht hoch - das möchte ich vermeiden. Vor allem, weil viele von den jüngeren Spielerinnen das erste Mal erste Liga spielen. Wir haben an Qualität dazugewonnen, aber das Thema Stress ist jetzt auf einem anderen Niveau. Das kann ein bisschen dauern, bis die jungen Spielerinnen sich vom Kopf her angepasst haben und irgendwann ihre Qualität stabil abholen.
Der Druck oder die Nervosität, die man sich selber macht, war schon letzte Saison ein Thema.
Genau. Bei Spielerinnen, die Volleyball nebenher machen, ist das eine Sache. Bei Spielerinnen, deren Existenz Volleyball werden soll, ist das eine ganz andere. Ich habe im Nachwuchs früher viele dieser Gespräche geführt, dementsprechend weiß ich, was in den Köpfen vorgeht. Da gibt es sehr viele Gedanken und sehr kritische Stimmen im eigenen Kopf, die es auszuschalten gilt - und das ist nicht mit einem „Du schaffst das schon“ getan. Wir können technisch, taktisch, athletisch eine Menge vorbereiten, aber das Thema kann ich nur im Spiel erfahren.
Es gibt ein paar neue Regeln. Nun bleibt ein Ball spielbar, wenn er an die Hallendecke geht. Wie bewerten Sie die Neuerung?
Gute Frage. Es gibt sehr hohe Hallen und sehr flache Hallen in der Bundesliga. Ich bin nicht sicher, ob es das fürs Spiel oder die Zuschauer besser macht. Wenn der Ball an der Decke war, steigt die Gefahr, dass er als Danke-Ball zurückgespielt wird. Dann geht der Ballwechsel halt länger, aber es scheppert trotzdem im eigenen Feld. Zudem könnte sich das Verletzungsrisiko erhöhen. Wenn ich irgendwo hinrenne, weil ich dem Ball folge und plötzlich springt er von der Decke weg - dann könnte ein unkontrollierter Richtungswechsel mit Blick zur Decke gefährlich werden.
Wer profitiert von der Novelle?
Bis jetzt war es eher so, dass eine Mannschaft mit einer flachen Halle einen gewissen Heimvorteil hatte, weil sie jeden Tag in dieser flachen Halle trainiert und weiß, dass sie aufpassen muss. Während eine Mannschaft, die in hohen Hallen trainiert, aus Gewohnheit den Ball hoch spielt. Dementsprechend wird dieser Heimvorteil ein bisschen reduziert.
Die Heckengäusporthalle ist auch nicht hoch.
Genau, bei uns haben wir ja Balken, Träger und alles Mögliche. Dann springt der Ball nicht wie von der flachen Ecke einigermaßen berechenbar ab, sondern hüpft, wenn es dumm läuft, ein bisschen rum, bevor er runterkommt. Und das ist sowas, wo ich mich frage, ob das im Sinne der Sportart ist.
Am Samstag gibt es das Auftaktspiel gegen den ETV Hamburg - ist es von Vorteil, dass es gegen einen machbarer Gegner geht?
Es ist schön, dass wir zu Hause starten. Ich würde Hamburg einen Gegner auf Augenhöhe nennen. Die haben sich auch ein bisschen verändert und verstärkt. Es wird sich zeigen, wie sich das in Qualität auf dem Feld auszeichnet. Wenn ich auf die Spiele danach blicke, hätte ich es mir anders gewünscht. Da geht es gegen Allianz MTV Stuttgart, den SSC Schwerin und den Dresdner SC, das sind drei Schwergewichte in Folge.

