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Sensation in Münster: Binder Blaubären TSV Flacht verpasst Punktgewinn nur knapp

Sensation in Münster: Binder Blaubären TSV Flacht verpasst Punktgewinn nur knapp

Die Favoritenrolle war mehr als eindeutig verteilt vor dem Spiel der Binder Blaubären TSV Flacht beim USC Münster. Wer aber mit einer schnellen Abfertigung des Underdogs aus dem Heckengäu gerechnet hatte, wurde eines Besseren belehrt.

Flachter Blaubären auf hartem Pflaster gefordert
Die Sporthalle Berg Fidel im gleichnamigen Ortsteil der kreisfreien Stadt Münster. Mit einer Kapazität von 3000 Plätzen gemeinsam mit der Dresdner Margon Arena die größte Spielstätte in der Volleyball-Bundesliga der Frauen. Heimat des neunmaligen deutschen Meisters und elfmaligen Pokalsiegers USC Münster. Eine Instanz des deutschen Volleyballs. Hier stürzten in dieser Spielzeit bereits Meister Schwerin und Pokalsieger Dresden, Tabellenführer Stuttgart verlor hier den bisher einzigen Satz. Gegen die Schwergewichte der Liga wirkte der frisch aufgestiegene TSV Flacht wie eine leichte Beute. Wie das Lamm, welches zur Schlachtbank geführt wird. Niemand hätte vor der Begegnung auch nur einen Pfifferling auf die Binder Blaubären gesetzt. Eine Wiederholung des Hinspiels, in dem die Blaubären mit 0:3 und 49 Punkten in 64 Minuten ihre Erstliga-Heimpremiere abschlossen, schien so sicher wie das Amen in der Kirche oder die MVP-Medaille für Frauke Neuhaus. Doch es sollte ganz anders kommen.

Von Anfang an dominiert Flacht das Spiel
Der Gigant aus dem Münsterland fand beschwerlich in die Partie, ganz anders als der Gast. Vom Start weg waren die Flachter Blaubären wacher, frischer, aggressiver und kämpferischer. Das Bild aus dem Hinspiel war weit und breit nicht zu finden, die Flachter Damen führten den übermächtigen Gegner den gesamten ersten Satz am Nasenring durch die Manege und sprangen nach Belieben mit dem USC-Team um. Während Alina Stäbler, die die erkrankte Leonie Büdenbender auf der Libera-Position mehr als würdig vertrat, auch die unmöglichsten Bälle vom Boden kratzte, stand der Block von Britta Schammer und Lizzy Lobzhanidze wie eine unüberwindbare Mauer. Gleichzeitig servierte Roxana Vogel blitzsaubere Bälle auf die Angriffspositionen und setzte die überlegte Hanne Binkau, die energische Hanna Kögler und die schlaggewaltige Kapitänin Frauke Neuhaus blendend in Szene, die Bälle flogen den grünen Gastgebern nur so um die Ohren. Nicht einen einzigen Rückstand mussten die Blaubären im ersten Satz hinnehmen, nach 23 Minuten gelang das Unmögliche: mit 25:21 holten sich die Binder Blaubären den ersten Satzgewinn. Das Favoritengrab Berg Fidel hatte die TSV-Frauen nicht schrecken können, mit unbändiger Leidenschaft und einem unbeschwerten Aufspielen sicherten sich die Blaubären den vierten Satzgewinn. Erstmals seit dem 3:1-Premierensieg in Hamburg gelang den Flachterinnen damit ein Satzgewinn im Oberhaus, dieses Mal gegen einen etablierten Spitzenverein aus der ersten Liga. Historisches war geschehen und Flacht hatte noch lange nicht genug.

Einbrechen? Fehlanzeige!
Wer nun glaubte, die Blaubären hatten nun einen Satz lang alle Körner verschossen und würden nun zusammenbrechen wie eine Brücke aus Spaghetti unter dem Gewicht zu vieler Backsteine, der rieb sich gehörig Due Augen. Denn Frauke Neuhaus und ihre weiß gewandeten Mitstreiterinnen fügten Satz zwei nahtlos an den ersten an. Die leidenschaftlichen Gäste waren für den großen USC schier nicht zu bändigen. Erneut knackten die Blaubären die Marke von 20 Punkten und tanzten an der Grenze zum erneuten Satzgewinn. Ein Punktgewinn in der Sporthalle Berg Fidel, das war zuvor keinem Aufsteiger gelungen. Doch ein Zusammenspiel aus mutigen Fehlern der Blaubären, abgeklärter Aktionen der erstligaerprobten Münsteraner Spitzenspielerinnen und fragwürdiger Entscheidungen der Grünen auf den Entscheiderpositionen brachten Münster mit 25:24 den Satzball. Es war, man mochte es kaum glauben, Münsters erste Führung im gesamten Spiel. Die reifen Stars in Grün vollendeten das Werk schließlich und konnten nach Sätzen ausgleichen.

Satzverlust und lange Pausen sorgen für einen Bruch im Flachter Spiel
Die anschließende zehnminütige Pause kam den Hausherren gelegener als den Gästen, welche die athletische Überlegenheit des USC-Teams nun zu spüren bekamen. Mit 25:18 holte sich Münster einen wenig gefährdeten Satzgewinn und brachte sich in Siegerposition. Doch der aufmüpfige Außenseiter wollte sich noch lange nicht geschlagen geben und spielte im vierten Satz abermals mutig auf. Lange konnten sich die angereisten Fans der Blaubären berechtigte Hoffnungen auf ein Wunder machen und vom nächsten Punktgewinn träumen. Schließlich zeigten die Münsteraner jedoch den längeren Atem, für die Blaubären war der vierte Satz am Ende zu viel. Mit 25:16 ging der Gewinn an den USC, der den Angriff der Blaubären damit doch noch abwehren konnte.

Die Zahlen sind top - Hanne Binkau auch
Eineinhalb Stunden hatten die Blaubären dem USC wacker Paroli geboten, nach 91 gespielten Minuten endete die Begegnung. Nur der Auswärtssieg beim ETV Hamburg hatte acht Minuten länger gedauert, Flachts 83 gesammelte Punkte wurden ebenfalls nur vom Triumph in der Hansestadt überboten (97). Dass den Binder Blaubären jedoch dieses Mal kein frisch aufgestiegener Ex-Zweitligist, sondern eine Institution der VBL gegenüberstand, lässt diese Leistung ähnlich imposant wirken wie den ersten Sieg der Erstliga-Historie. Das fand auch Cheftrainer Manuel Hartmann. “Der eine Satzerfolg ist Motivation die nächsten Partien”, freute sich der Trainer, der mit Kampfgeist und Willen seiner Mannschaft zu 100 Prozent zufrieden war. “Wenn wir so auftreten, können wir auch gegen eine solche Mannschaft mithalten”, lobte Hartmann den couragierten Einsatz seiner Schützlinge. Die beste Leistung auf Flachter Seite attestierte Münster-Coach Matthias Pack einer Wiederholungstäterin. Außenangreiferin Hanne Binkau bleibt weiterhin Flachts einzige MVP im Kalenderjahr 2026. Nach der Auszeichnung im Heimspiel gegen Schwarz-Weiß Erfurt wurde sie zum zweiten Mal in Folge mit der Silbermedaille bedacht, was auch ihre zweite Auszeichnung in der laufenden Saison, ihrer ersten im Oberhaus darstellt. Ihr variables Spiel brachte die USC-Defensive in schwere Bedrängnis, denn Flachts Nummer 8 beherrscht den wuchtigen Angriffsschlag ebenso wie ihre gefürchteten, hochpräzisen Bälle in die freien Räume ideal oder die kluge Ausnutzung gegnerischer Blockspielerinnen, was sie zu einer verdienten MVP macht.

Nächsten Samstag in Suhl an die Leistung anknüpfen
Der TSV Flacht setzt sein nächstes deutliches Ausrufezeichen im Bundesliga-Kosmos. Ein derart kampfbetonter Auftritt steht den Blaubären bestens zu Gesicht und dürfte auch in der kommenden Woche sehr begrüßt werden. Auch die Wolfsgrube des VfB Suhl ist ein gefährliches Pflaster, auf dem Flachts sportliches Aushängeschild im Herbst bereits das Ausscheiden aus dem DVV-Pokal hinnehmen musste. Doch spätestens der Auftritt in Münster hat endgültig gezeigt: die Blaubären verstecken sich vor niemandem.

Foto: Gerhard Heermann