Und sie sollten es schaffen. Am Donnerstagabend begann der Aufbau. Anders als zu den Bundesliga-Heimspielen mussten dieses Mal beide Heckengäuhallen aufgehübscht werden, doch das Team der Blaubären zeigte mit Bravour, dass es nicht nur seine eingespielten Abläufe großartig beherrschen, sondern auch immer wieder mit spontanen Anpassungen zurecht kommt. Am Freitag trafen die ersten Mannschaften ein und wurden aufs Herzlichste begrüßt. Nach ihren Abschlusstrainings und einer Nacht im einladenden Jugendgästehaus Leonberg fanden sich die Teams am frühen Samstagmorgen wieder in den Spielhallen ein. Und das Staunen konnte beginnen.
Eine Halle, die einem solchen Event mehr als nur würdig wirkte. Spielerinnen, Funktionäre und Ehrengäste kamen aus dem Staunen kaum heraus. Sei es der liebevoll gestaltete Außenbereich, auf dem sich mit Silkes Essbar und der Eiserei zwei hervorragende Essensstände positioniert hatten, der Eingangsbereich, in dem jede Frage ihre Antwort bekam, der verspielte Wegweiser, welcher jeder Mannschaft auf charmante Rieth-Art ihre Wurzeln zeigte; die monumentalen Landesflaggen der deutschen Bundesländer an den Hallenwänden oder auch der Walk Of Fame, der die Teamfotos der Mannschaften im Durchgang zwischen den Hallen zeigte: alles wirkte kaum wie eine heruntergekommene Sporthalle als viel mehr wie ein Tempel des Spitzensports. Alles war angerichtet und um 9 Uhr ging es los. Flachts Hallensprecher heizte den zahlreichen Gästen mit Ricky Martins „The Cup Of Life“ ein und brachte die Halle ein erstes Mal zum Kochen. Als dann der bekannte Imperial March erklang und die Mannschaften eine nach der anderen in die Halle schritten, konnte sich kaum jemand vor der Gänsehaut drücken. Mit Manager Michael Kaiser und Kapitänin Julia Cedeño aus der ersten Flachter Mannschaft kamen zwei große Gesichter dieses kleinen Volleyballwunders aus Flacht zur Sprache, bevor feierlich die deutsche Nationalhymne erklang. Lasset die Spiele beginnen.
Die Spiele begonnen. Die Meister der regionalen Verbände und mittendrin – der kleine TSV Flacht. 14 Mädels und zwei Trainer, die sich auf der ganz großen Bühne zeigen durften. Grund genug für viele Sportlerinnen, sich zu verstecken und klein zu machen. Doch der Geist der Blaubären hatte auch dieses Team erfasst. Ganz im Stile der ersten Mannschaft fand sich die U18 plötzlich unter Mannschaften wieder, gegen die sie eigentlich niemals hätten spielen sollen. Doch jedes ihrer Spiele gingen die Flachter Mädels mit dem Mut der großen Chance an. Zeigen, was man kann. Zeigen, was man will. Sich selbst zeigen. Das stand für das Team auf dem Programm. Und trotz wenig Zählbarem blieben die Mädels spielfreudig und ehrgeizig. Dem Flachter Credo „Wir sind jetzt auch dabei“ getreu, stellten sich die hochveranlagten Spielerinnen jeder noch so großen Herausforderung. Egal, ob der Gegner nun Wiesbaden, Freiburg oder Dresden hieß, das Flachter Team verkaufte sich sehr teuer in diesem stark besetzen Turnier. Das Publikum wusste das zu schätzen und war bei jedem Spiel der jungen Blaubären mit Vollgas dabei. Neue Gesänge („Hey, wir wollen die Blaubären sehen“) und auch der Support der ersten Mannschaft zeigten ganz deutlich den Zusammenhalt des TSV. Am Ende wurde mehr gekrächzt als gesungen, aber dies dennoch mit vollem Eifer. Der ganze Verein und das ganze Team blickt mit Stolz auf seine U18, die erste des TSV, die an einer Endrunde um eine Deutsche Meisterschaft teilnahm – und planmäßig nicht die letzte.
Aber nicht nur die Fans des TSV machten sich deutlich bemerkbar, auch andere Mannschaften wurden lautstark unterstützt. Da waren die Fans der FT Freiburg, die ihre Mannschaft unentwegt nach vorn sangen. Da waren die Fans der Erstligisten aus Schwerin oder Dresden oder auch die zahlreichen und lautstarken Anhänger des RSV Borken. Kurzum, die Stimmung war ein Tollhaus und jeder Fan hatte Spaß an diesem Turnier. Das natürlich auch einige hochklassige sportliche Momente zu bieten hatte. Da gab es das Gruppenspiel zwischen Potsdam und Freiburg, in dem Freiburg nach Rückstand im ersten Satz den zweiten Satz so stark begonnen hatte und auf den letzten Metern doch noch aus der Hand gab. Das Zwischenrundenspiel zwischen Borken und dem TuS Bersenbrück, der bis zur Mitte des zweiten Satzes wie der sichere Sieger aussah und dann doch noch vom RSV niedergerungen wurde, was den Livestream in Ekstase versetzte. Meister Schwerin, die im Halbfinale trotz einer furiosen Aufholjagd durch Leana Grozers Aufschlagsserie gegen Dresden den kürzeren zogen. Und dann das große Finale, in welchem sich der TSV Turnerbund München gegen die Mannschaft aus Dresden zum neuen Deutschen Meister krönte. Unzählige Spiele, die vielen der Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben dürften.
Am zweiten Spieltag, dem letzten in dieser Finalrunde, hatten die Blaubären die ganz schweren Geschütze aufgefahren. Der geheiligte Hallenboden, der sonst nur zu den Spielen der zweiten Bundesliga zum Einsatz kommt, war entrollt worden und das Set-Up eines echten Blaubären-Heimspiels wurde aufgefahren. Jeder, der es noch nicht gesehen hatte, wusste spätestens ab da: so sieht es aus, wenn Flacht zuhause spielt. Auch der bekannte Flachter Hallensprecher heizte über den ganzen Sonntag hinweg dem Publikum ein, beliebte Songs aus der Blaubärenhöhle wurden zelebriert, was auch die Spielerinnen der Mannschaften wie Schwerin oder Mendig in Feierlaune versetzen konnte. Als das große Endspiel ausgespielt war und sich alle Mannschaften zur Siegerehrung einfanden, gipfelte das Turnier nochmals in einer beeindruckenden Zeremonie. Die Auszeichnung von Münchens Spielführerin Sofia Varela als wertvollste Spielerin des Turniers, die bewegende Rede von Volleyball-Abteilungsleiter Yannic Hofmeister, die berührte, ohne zu kitschig zu werden; die anschließende Ehrung durch Volleyball-Superstar Frauke Neuhaus und ein letztes feierliches Singen der Nationalhymne, all das rundete diese Endrunde mehr als gelungen ab.
Es waren auch die Kleinigkeiten, die dieses Turnier in Flacht so besonders machten. Mannschaften, die vorsorglich aufgrund von schlechten Erfahrungen mit viel Verpflegung angereist waren und von der reichhaltigen Bewirtung in den Heckengäuhallen sehr positiv überrascht wurden. Begeisterte Gäste, die ob der Organisation, Atmosphäre und Gastfreundschaft aus dem Schwärmen nicht mehr herauskamen. Die Fotobox, die mit Freuden für die ulkigsten Erinnerungsfotos genutzt wurde. Oder auch die im Finale unterlegenen Dresdnerinnen, die in Jubelstürme ausbrachen, als sie erfuhren, dass sie zwar nicht den Pokal, dafür aber den heiß geliebten Taylor Swift Pappaufsteller mit in die Heimat nehmen durften. Es sind diese Geschichten, die eben nur der Sport schreibt.
Der TSV Flacht möchte zum Abschluss dieser Deutschen Meisterschaft ein großes Dankeschön aussprechen. Zum einen geht der Dank an alle Sponsoren dieses Turniers. An alle, die neu dazu kamen und sich für die Endrunde begeistern konnten, sowie auch an jene, die bereits unsere erste Mannschaft in der zweiten Bundesliga unterstützen und sich nun auch für unsere Jugend engagieren. Danke, dass ihr dieses Wochenende durch eure Zuwendungen ermöglicht habt. Wir sind froh über jeden von euch und freuen uns, auch weiterhin als Partner unseres Vereins auf euch zählen zu können.
Ein weiterer großer Dank geht an alle Helfer, die sich rund um das Turnier engagiert haben. Alle, die ihre Arbeitskraft über das Wochenende und lang im Vorfeld investiert haben. Sei es im Aufbau der Hallen, der Organisation von Live-Stream und Kommentar, der Bewirtung, der Betreuung unserer Gäste und die gesamte Orga des Turniers mit Einteilung und Akquise aller Helfer. Ohne euch wäre dieses Turnier niemals möglich gewesen, der TSV ist stolz und glücklich, auf eine solche Power zählen zu können und mit diesem fantastischen Team in die Zukunft zu gehen. Ihr macht das Unmögliche möglich und seid ein Segen, nicht allein für unseren Verein, sondern für die ganze Volleyball-Landschaft. Vielen, vielen Dank!
Was bleibt von diesem Wochenende? Ein erschöpftes, aber glückliches Orga-Team, akkumulierte Millionen von gelaufenen Schritten; ein Streaming-Koordinator, welcher erstmals rennen gesehen ward und eine ganz klare Erkenntnis: die Blaubären sind zu Gigantischem fähig! Der Zusammenhalt und schiere Wahnsinn innerhalb dieses Vereins kann Berge versetzen. Der TSV Flacht ist spätestens jetzt auf der Landkarte von Volleyball-Deutschland angekommen und hat sich einen mehr als guten Namen gemacht. Dieses Turnier markiert einen besonderen Meilenstein auf der Abenteuerreise der Blaubären. Alles, was da noch kommen mag.