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News

Eine Weihnachtsgeschichte

Michael Kaiser, Manager der Binder Blaubären aus der Zweiten Liga Pro im Volleyball, ist immer wieder erstaunt, was mit dem kleinen TSV Flacht möglich ist. Sportlich benötigt der Club dringend Verstärkung.
Leonberger Zeitung vom 22.12.2023
von Jürgern Kemmner nach Charles Dickens

WEISSACH: Beginnt eine Geschichte mit den Worten „es war einmal . . .“, ahnen wir, dass sie wenig mit der Realität zu tun hat. Wirkliche Geschichten beginnen etwa so: Ein kleiner, rühriger Club aus Weissach-Flacht wollte mit seiner Volleyball-Abteilung in der Zweiten Liga Pro der Frauen starten, hat sich mächtig ins Zeug gelegt, Sponsoren überzeugt, die nötige Lizenz erhalten und kämpft nun in der zweithöchsten deutschen Liga um den Klassenverbleib. „Ja“, räumt Michael Kaiser ein, „wenn man sich dieses Jahr Revue passieren lässt, klingt das alles fast irgendwie irreal.“

Der Manager der Binder Blaubären Flacht, einer der Initiatoren des höchst ambitionierten Vorhabens, ist selbst immer noch mächtig erstaunt, was seine ehrenamtlichen Mitstreiter mit ihm in der (einstigen) Volleyball-Provinz geschaffen haben. „Ich empfinde Stolz und Dankbarkeit, wenn ich auf das Erreichte blicke“, sagt Michael Kaiser, „es ist atemberaubend, was bei unseren Heimspielen alles auf die Beine gestellt wurde.“ Der kleine Club hat sich in der Liga etabliert, nachdem die Funktionäre aus dem Heckengäu zu Beginn von einigen Vertretern der arrivierten Vereine ein wenig von oben herab beäugt worden waren. Der Geist der vergangenen Weihnacht war die Inspiration, die elanvolle Tatkraft und gieriges Engagement geschaffen hat.

Im Advent 2023 sind die Blaubären sportlich in der Realität angekommen. Nach enthusiastischem Start sind die Volleyballerinnen aus Flacht hart gelandet, mit drei Siegen in zehn Partien kleben sie auf Platz zwölf, einem Abstiegsrang – aber nicht ohne Aussicht, diesen zu verlassen. Die Konkurrentinnen aus Essen (10 Punkte/11 Spiele), Stralsund (11/10) und Borken (13/12) befinden sich in Schlagdistanz, doch sie werden diese Nichtabstiegsränge so erbittert verteidigen, wie Mallorca-Touristen ihre Liege am Pool in der ersten Reihe. Deshalb sehen sich Kaiser und Cheftrainer Nico Reinecke zum Handeln gezwungen. „Wir sind auf der Suche nach Verstärkung“, sagt der Manager, „wir loten aus, welche Möglichkeiten sich bieten.“

Wegen der Verletzung von Anna Tadros ist Saskia Lenk die einzige Zuspielerin im Team, was für die 23-Jährige einen erheblicher Druck darstellt, zudem fehlt den Flachtern eine Portion Variabilität. Der Kader muss breiter werden, so die Prämisse von Kaiser, der seit geraumer Zeit sondiert und Gespräche mit möglichen Kandidatinnen führt. An den Finanzen, die für eine etwaige Ablösesumme fällig würden, sollte es nicht scheitern, der Manager betont, dass der Club „wirtschaftlich voll und ganz im prognostizierten Rahmen“ liege. Der Geist der diesjährigen Weihnacht liegt in dem unbändigen Willen, die Binder Blaubären in der Zweiten Liga Pro zu etablieren.

Das dies gelingen wird, ist nicht garantiert wie die Segnung der Gläubigen am Ende des Gottesdienstes – aber die Vorzeichen lassen Raum für berechtigte Hoffnung. So erzählt Michael Kaiser, dass im Laufe der Saison neue Sponsoren eine Zusage abgegeben hätten, und zusätzliche Finanzmittel bedeuten in Ligen von höherer Qualität wie der Zweiten Liga Pro in aller Regel eine bessere Wettbewerbsfähigkeit. Der Geist der künftigen Weihnacht hat sich Michael Kaiser und den Blaubären Flacht noch nicht offenbart – aber das Ende dieser Geschichte kann ja eigentlich nur ein gutes sein ...


Der Favorit Dingolfing spielt die Blaubären her

In der Zweiten Volleyball-Liga Pro verlieren die Frauen des TSV Flacht deutlich mit 0:3 Sätzen. Allein im dritten Durchgang zeigen sie ihre Spielstärke! (Leonberger Kreiszeitung vom 18.12.2023 - Nathalie Mainka)

Der letztjährige Meister der Zweiten Liga Süd, TV Dingolfing, ist dann doch eine Nummer zu groß gewesen für die Binder Blaubären TSV Flacht, die per Wildcard in diese zweithöchste Klasse gerückt waren. In der Zweiten Volleyball-Liga Pro verlor die Mannschaft um Trainer Nicolas Reinecke ihr Auswärtsspiel am vergangenen Sonntagnachmittag in 3:0 Sätzen. Im dritten Satz zeigten die Flachter Frauen gute Ansätze, die Dingolfinger zu ärgern, sie gingen mit fünf Punkten in Führung – und unterlagen doch noch knapp mit 23:25 Punkten. Einen vierten Satz konnten sie somit nicht mehr erzwingen. „Dingolfing ist eine gute Truppe, da haben wir uns nicht un- bedingt was ausgerechnet, obwohl wir natürlich gerne gewonnen hätten“, meint Reinecke. Der Coach versucht, zumindest das Positive im dritten Satz mit in die Winter pause zu nehmen. Ansonsten ist dieses Auswärtsspiel wieder ein Beweis dafür gewesen, dass die Mannschaft ein gutes Stück Arbeit vor sich hat. „Es sind zwar noch 40 Punkte in dieser noch langen Saison zu vergeben, doch wir müssen auch mal wieder gewinnen.“

Und das wird ein schweres Unterfangen, wenn die Mannschaft so startet wie beim TV Dingolfing. „Wir sind überhaupt nicht ins Spiel reingekommen.“ Gleich zu Beginn zeigten die Gastgeberinnen, wo es lang gehen sollte, sie gingen ganz fix mit 4:0 in Führung. Der TSV Flacht versuchte es mit Auszeiten und Auswechslungen – und fand besser den Rhythmus. Dennoch verwandelte Dingolfing den ersten Satzball zum 25:17. „Dieser Satz war etwas unglücklich“, so Ni- colas Reinecke. Den zweiten Durchgang möchte er am liebsten gleich wieder vergessen. „Da wurden wir richtig hergespielt, und ich habe noch keine Ahnung woran es gelegen hat, das müssen wir jetzt analysieren“, sagte ein sichtlich geknickter Coach. Es kommen wieder die altbekannten Themen wie mangelnde Konstanz oder Psyche auf. „Die Spielstärke haben wir definitiv.“

Und so ging der TV Dingolfing im zweiten Satz erneut mit 3:0 in Führung und baute diese auf 16:3 aus. Uneinholbar für die Blau- bären, wie sich schnell herausstellte, denn die Blaubären konnten nur noch fünf weitere Punkte erzielen. Die Gastgeberinnen siegten souverän mit 25:8. Weder verschiedene Auswechslungen noch taktische Maßnahmen führten bei den Flachtern zum Erfolg.

Der dritte Satz gibt Reinecke doch wieder eine gewisse Hoffnung. „Hier haben wir gut gespielt und mit Aggressivität auf Augenhöhe gekämpft.“ Dingolfing ging auch hier in Führung, doch die Gäste lieferten diesmal die Punkte und lagen mit 20:15 vorn. Am Ende spielte der Gegner wieder seine Erfahrung aus, schaffte den Ausgleich und machte den Matchball zum 25:23. Hervorheben möchte Reinecke die Spielerin Janna Schweigmann, die auch in dieser Situation stets Stimmung gemacht hat – und auch ihre Angriffe gut durchbrachte.