Binder Blaubären TSV Flacht: Letztes Heimspiel 2025
- Kategorie: Volleyball
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Blaubären sind völlig von der Rolle
Volleyball-Bundesligist TSV Flacht unterliegt bei den Skurios Volleys Borken sang- und klanglos mit 0:3 – und Trainer Manuel Hartmann ist danach ziemlich ernüchtert.
„Das war überhaupt nichts“, stöhnte Cheftrainer Manuel Hartmann, nachdem sein Team im Duell der Bundesliga-Aufsteiger erst mit Volleyball zu spielen begann, als die Partie so gut wie verloren war. „Es standen zwar sechs Spielerinnen auf dem Feld, aber irgendwie waren wir gar nicht richtig anwesend.“
Klare Worte vom Trainer, der am vergangenen Montag 39 Jahre alt geworden ist. Der Frust war groß im Lager der Blaubären am Samstagabend – denn die Volleyballerinnen den TSV Flacht und ihre rund 30 mitgereisten Anhängen hatten vor dem Anpfiff fest daran geglaubt, etwas mitzunehmen aus der Mergelsberg-Sporthalle in Form von Punkten. Nun war es aber lediglich ein großes Päckchen vollgepackt mit Enttäuschung. „Es wäre wirklich mehr drin gewesen“, klagte Hartmann, „Borken genügte nicht mehr als eine solide Leistung, um 3:0 zu gewinnen.“
Dabei waren der Tross der Spielerinnen und Funktionäre bereits am Freitag angereist, um am Spieltag nicht sieben Stunden Busfahrt im Körper stecken zu haben. Doch der Samstag zog sich lange hin im Hotel ohne etwas zu tun zu haben, und Manuel Hartmann meinte: „Das war natürlich nicht ideal, aber es taugt bestimmt nicht als Ausrede.“ Vielleicht waren es die hohen Erwartungen der TSV-Frauen vor dem Duell gegen die Volleys Borken, die als Mitaufsteiger auf einem ähnlichen Leistungsniveau eingeordnet worden waren. Der zweite Bundesliga-Sieg nach dem 3:1 in Hamburg schien greifbar.
Doch die schöne Rechnung ging nicht auf, Wunsch und Wirklichkeit klafften auseinander wie sich zwei Magneten abstoßen. „Wir waren weit weg von der Leistung, die wir gegen den SSC Schwerin und beim ETV Hamburg gezeigt haben“, stellte der Chefcoach reichlich ernüchtert fest, „wir sind zweieinhalb Sätze weit unter dem geblieben, was wir können.“ Es mangelte an Kommunikation auf dem Spielfeld, häufig wurde die falschen Entscheidung getroffen, es funktionierte wenig – Hartmann hatte schon in seiner ersten Auszeit gefordert, „die Handbremse zu lösen“, der Coach versuchte mit vielen Wechseln die Trägheit aus dem Team zu verbannen, brachte Franka van der Veer im zweiten Satz, schickte Saskia Zuber als Zuspielerin und Alina Stäbler als Libera im dritten Durchgang aufs Feld.
Das mental Niederschmetterndste war: Die Gastgeberinnen mussten kein Volleyball vom Feisten aufs Parkett zaubern, um Punkt für Punkt einzusammeln. Die Blaubären fanden keine Lösungen, um den Borkener Angriff zu entschärfen und auch die zahlreichen Rochaden im eigenen Team führten lange nicht zu einer Wende. Erst im dritten Satz beim Stand von 9:16 – als das Spiel eigentlich so gut wie verloren war – fanden die Gäste aus dem Heckengäu ins Match.
Die Flachter Frauen kamen immer näher, dann führten sie 21:20 – doch sie konnten die Partie nicht mehr drehen. Einen Matchball wehrten die Blaubären ab, einen Satzball vergaben sie und mit Matchball Nummer zwei war kurz nach 20.30 Uhr in Borken die Nullnummer der Binder Blaubären amtlich – sie sind nun wieder Liga-Schlusslicht.
Manuel Hartmann redete Klartext, fand aber, dass das Team erst mal vom Volleyball abschalten solle – das Montagstraining wurde gestrichen, vor dem Heimspiel gegen den Dresdner SC am Sonntag (215 Uhr) steht nur eine Übungseinheit am Freitag an. „Wir sind keine Vollprofis“, begründete der 39-Jährige den vorgezogenen Weihnachtsurlaub, „es geht darum, die gute Laune zu erhalten, da muss man schon auch den Handel eingehen, ein Training ausfallen zu lassen.“ Die Pleite in Borken, das darf man aus dieser Aussage schließen, hat allen bei den Binder Blaubären einen harten mentalen Schlag versetzt.
Die harten Gegner der Binder Blaubären TSV Flacht hören auch kurz vor Weihnachten nicht auf. Am Samstag um 19:00 Uhr treten die TSV-Damen bei den Skurios Volleys Borken an. Beide Teams verbindet eine gemeinsame Vergangenheit.
Bisherige Bilanz: Borken klar vorne
Borken ist neben dem ETV Hamburg das einzige Team der Liga, gegen das die Blaubären bereits vor der Saison im Ligabetrieb antraten. Doch auch gegen die Mannschaft aus der münsterländischen Mittelstadt gibt es bislang wenige Duelle. Nach ihrem Einstieg in den professionalisierten Bereich duellierten sich die Flachter Blaubären in den vergangenen zwei Spielzeiten in der zweiten Liga Pro bereits mit den Skurios Volleys. Nach dem besseren Start der Binder Blaubären, die das Premierenduell mit 3:2 in der heimischen Bärenhöhle gewannen, kippte die Bilanz deutlich zugunsten der Borkener, welche die weiteren drei Duelle allesamt ohne Punktverlust für sich entschieden.
Spät entstanden, sehr erfolgreich
Die Skurios Volleys sind das Aushängeschild ihres Stammvereins RSV Borken 22. Die Zahl mag stutzig machen, tatsächlich feierte der Verein im vergangenen Sommer seinen dritten Geburtstag, nachdem er im Juli 2022 aus der Fusion zweier Borkener Sportvereine hervorging. Im professionalisierten Volleyball sind die Borkener Damen längst keine Unbekannten mehr. 2013, zehn Jahre vor den Flachter Blaubären, gelang dem Team der Sprung in Deutschlands zweithöchste Spielklasse, in der es sich zu einer namhaften Adresse entwickelte. Das Prunkstück dieser Zeit stellt sicher die Meisterschaft im Jahr 2019 dar, als die Skurios Volleys, die ihren Namen einem ortsansässigen Möbelhaus verdanken, jedes Spiel auf dem Weg zum Titel gewannen. 2022 holten sie, erneut mit dem langjährigen Erfolgstrainer Liu Changcheng, ihren zweiten Meistertitel im Unterhaus, bevor sie 2023 mit den Blaubären in die neugegründete zweite Liga Pro aufstiegen. Dort krönten sie sich in ihrer zweiten Saison abermals zum Meister und stiegen schließlich, gemeinsam mit den Blaubären in die Beletage auf. Nicht nur die gemeinsamen Jahre im Unterhaus, auch die Borkener Teilnahme an der vom TSV Flacht ausgetragenen U18-Meisterschaft 2024 formten die besondere Verbindung beider Vereine.
Hohe Qualität nochmal erhöht
Danuta Brinkmann war 2024 die Wunschlösung für die Nachfolge des nach acht Jahren abgetretenen Lui Changcheng. Die Meisterschaft im ersten Jahr war ein mehr als deutlicher Qualitätsnachweis der Trainerin, die zur kommenden Saison eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine gestellt hat. Das Dominatoren-Team, welches in der Vorsaison nur zwei Spiele nicht gewann, wurde mit namhaften Neuzugängen bestückt. Darunter befinden sich mit den Außenangreiferinnen Pia Mohr und Madleen Piest sowie der Universalspielerin Liza Kastrup erstligaerfahrene Top-Spielerinnen. Außerdem sind die eigenen Nachwuchskräfte Hannah Rudde und Top-Talent Marika Loker feste Bestandteile der Mannschaft.
Nach dem schwachen Saisonstart endlich Favorit - für Flacht kein Problem
Trainerin Brinkmann, die von der deutschen Beachvolleyball-Größe Kira Walkenhorst assistiert wird, blickt bislang auf eine ähnlich durchwachsene Spielzeit wie die Binder Blaubären. Alle neun bisher absolvierten Spiele wurden verloren, mit einem Satzgewinn und 27 Satzverlusten markieren die Skurios Volleys in beiden Statistiken den Negativwert der Liga und stehen derzeit auf dem letzten Tabellenplatz. Mit den Blaubären treffen sie erstmals in dieser Saison auf eine Mannschaft, gegen die sie als Favoriten ins Spiel gehen. Doch die kampfesmutigen Flachterinnen haben bereits mehrfach gezeigt, dass sie in der Außenseiterrolle aufzublühen wissen. Ein Flachter Auswärtssieg ist alles andere als wahrscheinlich, jedoch auch alles andere als unmöglich.
Text: FN | Binder Blaubären TSV Flacht
Foto: Marc Pflüger